Vom Müssen. Vom Können. Und vom Wohlgefühl.

Der Klassiker: Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, auf die „Soll“-Seite meines Lebens zu schauen. Ich muss dies ganz dringend und das sollte ich sowieso schon lange, das da wäre jetzt aber auch mal überfällig und warum hab ich denn um Himmels Willen das noch nicht erledigt? Ich müsste also sehr viel, meint zumindest meine innere Antreiberin. Sie regt sich natürlich auch an den Jahresendtagen: die Steuerunterlagen wären jetzt doch noch fertig zu stellen, die Homepage-Überarbeitung wäre dringend vonnöten und der Flyer sei überfällig ebenso wie…

Ich lass diese Übertüchtige nun einfach mal in einer anderen Ecke weiter herumhektiken. Denn ich blicke lieber in Ruhe zurück auf das Gute des vergehenden Jahres. Meine Kriterien für Erfolg sind dabei nicht nur zahlenorientiert: Neben dem Wunsch, jeden Abend ruhigen Gewissens den berühmten Blick in den Spiegel wagen zu können, ist mir vor allem mein eigenes Wohlgefühl wichtig. Und das habe ich beim Rückblick auf 2014 für einiges.

Bei Twitter galt es vor einigen Wochen, unter dem Hashtag „jahrin3worten“ die Dinge auf den Punkt zu bringen. Meine drei Worte hießen „Lauter gute Entscheidungen.“ Und hier sind einige davon:

  • Es gab einige berufliche Herausforderungen, die erstmals und zudem überaus spontan mich zukamen – ich habe sie angenommen. Und noch besser: ich habe sie gemeistert. Ein tolles Gefühl!
  • Jedes Mal, wenn ich in meinem Raum in unserer Zweier-Bürogemeinschaft in Haidhausen coache oder trainiere, bin ich glücklich, die richtige Entscheidung für mein berufliches „Zuhause“ getroffen zu haben. Danke für den Zuschlag, lieber Markus!
  • Die Weiterbildungsangebote und Kongressbesuche habe ich punktgenau richtig ausgewählt. Und neben hochinteressanten und sinnvollen Inhalten konnte ich dort auch tolle Kolleg/-innen kennenlernen.
  • Ich habe das große Glück, mit zwei wunderbaren Menschen und zugleich hervorragenden Kollegen seit einigen Monaten an gemeinsamen Projekten zu feilen, die beide im neuen Jahr „on air“ gehen werden. Da geben sich Knowhow und Vertrauen mit fester innerer Überzeugung die Hand – und die Vorfreude auf den Launch ist groß. Ein großes Danke also an Nathalie Springer sowie an Florian Gründel.
  • Kurzreisen helfen mir, meine Blickwinkel zu erweitern. Wie schön, dass ich auch im neuen Jahr ab und an Gelegenheit haben werde, als Reisebloggerin unterwegs zu sein.
  • Ich kann viel und lange arbeiten – das weiß ich. Und doch lief der Akku gegen Jahresende deutlich in den dunkelgelben Bereich. So war der einwöchige Urlaub auf Lanzarote mit viel Ruhe und vor allem ohne Notebook goldrichtig und ermöglichte mir eine völlig entspannte Rückkehr unmittelbar vor Heiligabend. Das „Mehr“ lag diesmal wieder im „Weniger“.

Last but not least: Ich habe mich manchmal auch gegen etwas entschieden. Ganz bewusst. Meist auch wohlwissend, dass ich dafür auch Einbußen in Kauf nehmen muss. Auch diese Entscheidungen waren richtig und gut – sagt zumindest mein Wohlgefühl.
Und so möchte ich mich auch im nächsten Jahr daran halten: Ich muss nicht – vielmehr gilt: ich kann.

Ich wünsche Ihnen und Euch viel „Können“ und wenig „Müssen“ im Jahr 2015, verbunden mit Freude und Leichtigkeit in Ihrer und Eurer Strahlkraft! Und ich freue mich auf unsere Wieder- und Neubegegnungen. Alles Gute und auf bald!
Glücksklee

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Ein unerwarteter Rückblick.

Ich war sehr überrascht, als mir jüngst eine Liste in die Hand fiel, die einige Jahre lang an meiner Kühlschranktüre prangte, bevor sie beim letzten Umzug vor 18 Monaten in einem Zettelkonglomerat verschwand. Ich hatte mir damals aufgrund zunehmender Job-unzufriedenheit notiert, was ich mir von einem neuen beruflichen Schritt wünschte und erhoffte. Es dauerte noch eine geraume Weile, bis meine Entscheidung wirklich reif war.

Heute macht es mich betroffen, zu sehen, was mir damals alles fehlte. Was mir von mir selbst abhanden gekommen war − obwohl es ein von Vielen beneideter „Traumjob“ war, den ich damals hatte. Vieles daran war wirklich top: das Unternehmen, die Job-Description, der Titel und die damit verbundene Verantwortung. Ebenso der (scheinbare) Gestaltungsfreiraum, der Geschäftsführer als mein direkter Vorgesetzter und natürlich auch das Gehalt.
Und doch: ich mutierte mit der Zeit zu einer Erfüllungsmaschine für Themen, die nicht wirklich meine waren. Funktionell und funktionierend, aber zunehmend kraftlos. Dadurch und durch die ubiquitäre Präsenz (der Geschäftsführer nahm sein Business so ernst, dass er mir sogar am Heilig Abend kurz vor der Bescherung noch berufliche Mails schickte), begann mein Körper irgendwann zu rebellieren: Das Gewicht stieg, die Haare fielen aus, an durchgehenden Schlaf war nicht mehr zu denken…
Immer wieder meldete sich das Unterbewusstsein: „Du erfüllst Deinen Job. Aber Du schwänzt Deine Berufung.“ Irgendwann schrieb ich aus einem Impuls heraus diese Liste und pinnte sie zur regelmäßigen Selbstreflexion an die Kühlschrank-Tür.

Wünsche

Blicke ich heute darauf, so weiß ich erst, wie richtig sie war. Sie hat mir geholfen, meinen inneren Kern wieder zu entdecken und die mir wirklich wichtigen Werte zurück zu erobern. Und was mich besonders freut: Ich habe bereits damals Strahlkraft als mir wichtig erkannt und genannt!

Vielleicht haben Sie ja auch einen Zettelstapel mit einer ähnlichen Liste.  Und − was steht drauf? Oder anders gefragt: Welche Punkte würden Sie notieren?

 

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Die Job-Flucht, neue Unternehmenskultur und ein wilder Wald. Mein #rp14-Konferenz-Rückblick.

Zum vierten Mal besuchte ich die Internet-Konferenz re:publica in Berlin. Erstmals hatte ich in den Wochen vorher eigentlich keine Lust darauf, denn irgendwie schreckte mich die groß angelegte Ankündigung eines Auftritts von David Hasselhoff, den ich so gar nicht als stimmig dort empfinden wollte. Außerdem empfand ich das Programm im Vorfeld als zu umfangreich, die Titel vieler Vorträge und Sessions zu schwabbelig (Kreativität in allen Ehren, aber bei gefühlten 10 Auswahlmöglichkeiten pro Timeslot wird’s einfach extrem anstrengend, seine Wahl zu treffen).

Aber wie lautet doch ein beliebtes Coaching-Credo: „Lernen passiert außerhalb der Komfortzone“. Also doch ab nach Berlin! Und welches Deko-Element hat die re:publica 2014 für ihr Motto „Into the Wild“ gewählt? Genau: den Wald, den ich so gerne zitiere, wenn ich Coaching beschreibe. Zufall?

WaldRP14

In den drei Konferenztagen waren unendlich viele und vielseitige Sessions, Diskussionen, Reden, ja sogar Übungen angeboten. Einige davon möchte ich hier aufgreifen und kurz vorstellen.

Das Thema Work-Life-Balance beschäftigt wohl die meisten von uns seit Jahren so intensiv wie der Belag eines Butterbrots. Auf der #rp14 stellten Nina BiniasKathrin Kaufmann und Johanna Emge in „Jetlag Overload – One day we’ll be tired, baby!“ verschiedene Aspekte um die Tücken nahezu permanenter Online-Präsenz vor. Sie stellten Studienergebnisse zusammen, befragten in Videos und live vor Ort Onliner zu ihren Erfahrungen, Überlegungen sowie ihrem Nutzungsverhalten und beleuchteten so auch Wege, die in offline-Ruhe führen können. Die drei thematisierten damit vor allem eines unseres stärksten Gefühle: die Sehnsucht. Leider ist der Beitrag ab und an etwas von der fröhlichen Geräuschkulisse der Nachbarsession beeinträchtigt, aber daran gewöhnt man sich.

Sven Peters stellte in Fostering a Company Culture for Growth & Innovation die Veränderungen in der Unternehmenskultur von Atlassian vor. Das australische IT-Unternehmen ist innerhalb von acht Jahren auf mehr als 800 Mitarbeiter angewachsen. Spannend ist, wie sie ihr Wissen und ihre Kommunikation per Blog-Posts und Chats über viele unterschiedliche Zeitzonen hinweg organisieren, teilen und gestalten. Ein Buddy-Programm lässt neue Mitarbeiter schnell ankommen, der „Programmer“ wird zum „Brogrammer“, in San Francisco gibt es ein „Beer Bike“, das Neulingen einen guten Start erleichtern soll. Es geht auch um die Beteiligung aller Mitarbeiter an der Entwicklung neuer Ideen.

Für Ruhe und Entspannung sorgte dieses Jahr erneut Annina Luzie Schmid mit ihrer Einführung in Laptop Yoga. Leider ist es keinen Videomitschnitt verfügbar – ein paar Impressionen gibt es aber auf Anninas Tumblr und im Interview von t3n gibt’s ein paar kleine Übungen zu sehen. Ich fand’s klasse und werde versuchen, sie in den Bildschirm-Alltag zu integrieren.

Dies also nur als Mini-Ausschnitt eines Riesenprogramms mit zahlreichen Highlights. Immer wieder beeindruckend ist die wunderbare Leichtigkeit, mit der diese Konferenz läuft (immerhin ein Großevent mit mehr als 6.000 Besucher/-innen)!) Dahinter steckt ein hervorragendes und motiviertes Team, das wunderbarerweise auch Jahr für Jahr bei der Abschluss-Session persönlich vorgestellt wird. Auch wenn es lange dauert: es wird vom Gros des Publikums als die tolle Geste der Wertschätzung wahrgenommen, die es ist. Dazu gehört auch Mut des Managements – Hut ab davor!

… und ja: Herrn Hasselhoff habe ich dann auch gehört (nicht gesehen – siehe Foto). Und die Geschichte, die er auf der Bühne erzählte, war dann auch stimmig. Irgendwie.

HasselhRP

 

 

 

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Mein Nachsatz zu den Vorsätzen.

In den Frischjahrestagen 2014 nahm ich erstmals eine rege Diskussion über den Sinn oder Unsinn wahr, mit einem oder mehreren guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten. Zahlreiche Twitteristi amüsierten sich königlich über den Vorsatz-O-maten und auch bei Facebook sah ich viele Postings zu den Wortkombinationen. Und bloggte hier jemand für puren Lebensgenuss ohne Planung, hielt dort ein Anderer sein Plädoyer für die Vorzüge fester Ziele.

Natürlich verfüge auch ich über eine Vorsatz-Historie, die insbesondere das Ranking des Themas „xy Kilo müssen runter“ in einigen Jahren befeuert haben dürfte. Spätestens im vergangenen Jahr erlebte ich jedoch, dass ich am meisten bewirken konnte, wenn ich nur aufmerksam die Impulse aufnahm, die sich zeigten und darauf folgend mein Handeln ausrichtete. Es war eine Ausnahmesituation, ja. Ein Familienmitglied war überraschend sehr schwer erkrankt und verstarb schließlich auch. Wochenlang war nichts mehr planbar, jeder Moment konnte sehr vieles, mancher sogar alles verändern. Es gab entsetzlich laute und dann wieder sehr leise, kaum wahrnehmbare Impulse. Diese Zeit hat mir mehr als je zuvor verdeutlicht, wie wichtig es ist, meiner Wahrnehmung immer wieder Beachtung zu schenken. Gerade auch für mich selbst – beruflich ist sie ohnehin Grundvoraussetzung meines Wirkens und somit fester Bestandteil meines Lebens. So schmerzlich es war: es ist gut, sie nun bewusst als für mich wertvollen Begleiter um mich zu wissen.

Nach der Letztjahreserfahrung bin ich selbst also von Vorsätzen abgekommen und war nun klar auf der Seite der vorsatzlosen Fraktion zu finden.

Dennoch hat mich Anfang Januar die Thematik auch in einer Fortbildungsveranstaltung erneut beschäftigt: Dr. Gunther Schmidt griff sie in seinem Seminar zu Hypnosystemischen Arbeit für Teams und in Organisationen auf. Hochinteressant war dabei insbesondere eine kleine Übung, die ich nur weiter empfehlen kann. Wir führten uns ein Jahresziel vor das innere Auge. Und stellten uns dann – ganz im Stillen – Fragen: „Wie groß ist das Ziel im Vergleich zu mir? Wie nah ist es – oder wie weit entfernt? Wie fühle ich mich damit? Was würde sich verändern, wenn ich es verschieben würde?“. Wir gingen also in den inneren Dialog mit uns, machten uns und unserem Vorsatz verschiedene Angebote und formulierten Bitten an ihn. Und siehe da: Das Bild zum Vorsatz schärfte sich, wurde realistischer, greifbarer. Probieren Sie es ruhig mal aus.

Ich bin nicht wirklich sicher, meinen unten abgebildeten Vorsatz-O-maten-Spruch einhalten zu können – obwohl ich ja schon ein großes Faible für Bäume habe, wie Sie unter „Für Privatpersonen“ nachlesen können. Aber ich bin auf alle Fälle schon sehr gespannt, wie die Jahresrückblicke der Viel- und der Nicht-Vorsätzer ausfallen werden.

Vorsatz2014

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