Die Vielfalt der Kastanien-Gedanken

Kastanien sind mehr als ein Symbol für den Herbst

Sie sind mir ein Stück Vertrautheit und Geborgenheit: Seit der Kindheit ist’s eine lieb gewonnene Tradition, die Erstgefundene der Saison in die Mantel- oder Hosentasche zu stecken und mit ihr den Winter über immer wieder zu spielen.
Ein ausgereifter Einzelgänger Die erste Voll-Kastanie des Jahres. (© casowi)
Ein ausgereifter Einzelgänger Die erste Voll-Kastanie 2016. (© casowi)
Allerdings: An den fies stacheligen Schalen dürfte schon so mancher Finger schmerzhaft gepikst worden sein. Das kennen Sie doch auch, oder? Haben wir uns dann jedoch vorbei an den kleinen Dornen zur Naht durchgepult und sie geknackt, leuchtet meist schon das typisch frische Kastanienbraun durch das je nach Reifegrad mehr oder minder üppige weiße Fruchtfleisch. Nach dem Rauspulen können wir endlich dieses Gefühl genießen, das eben nur frische Kastanien unseren Fingern vermitteln können: Perfekte Reife. Wir können sie spüren auf der kastanienbraunen Oberfläche und auf der leichten Schmierschicht des weißen Parts, unser Auge nimmt diesen ganz gewissen Glanz wahr, den uns die Hersteller von Shampoos und Spülungen immer ins Haar zu zaubern versuchen.
Schon nach wenigen Stunden verlieren die Früchte diese Frische und Farbe, den Glanz und auch die Form. Aber irgendwie bleiben sie doch auch im trockenen, schrumpeligen Zustand für den Tastsinn interessant – das klassische Manteltaschenphänomen setzt ein.
Man nehme Streichhölzer, Kastanien und lasse der Inspiration freien Lauf: Schon ist ein tanzendes Kastanienmännchen fertig. (© ArNeu)
Man nehme Streichhölzer, Kastanien und lasse der Inspiration freien Lauf: Schon ist ein Kastanienmännchen fertig. (© ArNeu)

Kastanien bieten auch Anlass für Momente der Reflexion

Betrachten Sie die Früchte des Kastanienbaums vor dem inneren Auge, so können Sie sich auf einen spannenden Weg begeben, der uns eine Menge Erkenntnisse eröffnen kann. Stellen Sie sich doch ruhig mal Fragen wie:
Was (oder auch wen) in meinem Leben erachte ich so unangenehm wie die stachelige Hülle?
Ist die Chance auf eine handschmeichelnde Kastanie (manchmal sogar zwei oder drei,  manchmal aber auch gar keine) es mir wert, mir die Fingerkuppen verpiksen zu lassen? Bin ich überhaupt bereit, hinter die Schale zu blicken, auch wenn’s weh tun oder eben nichts dahinter sein könnte? Wehalb sind mir Kastanien bislang eigentlich nie wirklich aufgefallen? Weshalb kam mir noch nicht in den Sinn, sie näher zu betrachten?
Was könnte mich davon abhalten, eine Schale zu öffnen – was meine Wissbegier befeuern?


Was würde ich machen, falls ich fruchtfündig werden würde?

Bei einer Kastanie hätte ich ja viele Möglichkeiten: Nutze ich sie als Handschmeichler, lege ich sie auf den Schreibtisch als Briefbeschwerer, werfe ich sie weg, pflanze ich sie ein und pflege die entstehende Pflanze? Verschenke ich diese dann, wenn sie blüht und Früchte trägt – oder verschenke ich vielleicht einfach im nächsten Herbst die Früchte und lasse so andere an der Freude teilhaben? Züchte ich Kastanien und eröffne in 25 Jahren einen Kastanienpark? 
Oder bastele ich – wie der Freund, der mir auch dieses Foto zur Verfügung gestellt hat (danke nochmal!) – Kastanienmännchen? Mache ich das dann alleine oder mit Kindern, Freunden, Kollegen, sogar Kunden? Sähen meine oder unsere Kastanienmännchen alle gleich aus oder ganz unterschiedlich? Habe ich eine Idee für eine Geschichte – verfilme ich gar Star Wars neu mit Kastanienmännchen? Falls ja: Welche Rolle würde ich dabei einnehmen: Drehbuchadapteur, Kulissenbauer, Kastanienmännchendesigner, Cutter, Komponist, Regisseur?
Oder stelle ich doch eher Arzneimittel aus Kastanien her und erlöse die Menschheit damit von venösen Problemen? Ich könnte die Kastanien auch aufbewahren und sie an Tagen mit geschlosseneren Schneedecke ans Wild verfüttern. Sie dem Nachbarskind schenken.
Sie ans Grab meines Vaters bringen – in Erinnerung ans gemeinsame Kastaniensammeln und Basteln in Kindertagen.
Meine Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Und Ihre Liste – wie sieht die aus? Sie wächst und gedeiht vermutlich ebenso, wenn Sie erst mal beginnen, sich auf die Entwicklungsmöglichkeiten Ihrer Kastanie-Gedanken einzulassen. Das Schönste daran: Ihre Liste wird ganz individuell sein, da sie Ihre Leidenschaften beinhaltet, Ihre Fähigkeiten mit einbringt, Ihre Talente zeigt und Ihren Erfahrungsschatz nutzt.
Sie werden rasch merken, welche Ihrer Ideen die meiste Energie erhalten, welche schnell verworfen sind, welche abwandelt weiter verfolgt werden könnten. Probieren Sie es einfach aus. 
Ich würde sicherlich mindestens eine Kastanie pflanzen (sicherheitshalber vemutlich sogar mehrere Früchte in die Erde stecken). Damit eines Tages ein weiteres prächtiges Exemplar dieses für mich so heimatlichen Baumes Auge und Herz erfreuen kann.
Wahre Pracht und für Bayern ein großes Stück Lebensqualität: Der sommerliche. Kastanienbaum. (© casowi)
Wahre Pracht und für Bayern ein großes Stück Lebensqualität: Der sommerliche. Kastanienbaum. (© casowi)
 
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Vom Nicht und Nie

Einen Tag lang hing eine Tafel nebst vieler Kreiden mitten in New York. “Schreib auf, was Du am meisten bereust” lautete die Aufforderung. Und nach anfänglicher Schüchternheit begannen Passanten, ihre Themen zu notieren. Die Liste des Reue umfasste vieles wie nicht “ich liebe Dich” gesagt zu haben, keine Zeit mit einem mittlerweile verstorbenen Elternteil verbracht zu haben, sich nicht für das Studium des Herzens beworben oder eingeschrieben zu haben, den MBA-Titel nicht erworben zu haben oder andere enttäuscht zu haben. Mit dabei auch Einträge wie nie den eigenen Träumen gefolgt zu sein, kein guter Freund gewesen zu sein oder sich in eine relevante Angelegenheit oder ein wichtiges Thema nicht eingemischt zu haben. Alle Beiträge wurden geeint durch zwei scheinbar kleine Worte: “not” und “never”. Nicht und nie.

Im zweiten Teil des Experiments erhielten die Tafelschreiber einen Schwamm. Und siehe da: Waren die beiden kleinen Worte “not” und “never” ausgelöscht, empfanden und schilderten ihre gerade noch traurigen Verfasser Erleichterung. “Eine nicht beschriebene Tafel bedeutet offene Möglichkeiten”, sagt eine junge Frau. Und ja: Jeder neue Tag birgt die Chance in sich, etwas neues zu tun oder einfach nur, etwas einmal anders zu machen. Etwas, von dem wir eines Tages sicherlich nicht sagen wollen “Ich bereue es, das nicht getan zu haben.”

Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen: Es ist eine gute Übung, sich ab und an Gedanken zu den tatsächlichen sowie den möglichen Reuemomenten des eigenes Lebens hin zu spüren. Und dann zu schauen, ob Sie den Schwamm ansetzen wollen auf der Tafel Ihres Lebens … und wo genau.

Die Aktion wurde von der von Schauspieler Ashton Kutcher gegründeteten Organisation “A Plus” durchgeführt, die es sich zum Ziel gemacht hat, via viralem Storytelling positive  Impulse in die Welt zu bringen.

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Wie schön: Wieder etwas gelernt!

Es gibt diese Themen, die zwar bei jedem etwas anders gelagert sind, sie uns aber immer wieder zwicken und zwacken, wenn wir uns ihnen stellen müssen. Einer dieser fiesen Quälgeister heißt bei mir (wie übrigens bei vielen Frauen, aber dazu später): Verhandeln. Und zwar ums Geld. Ob Gehalt, Honorar, auf dem Markt oder beim Auto(ver)kauf – es ist keine meiner Leidenschaften. Bisher war ich also der Typ, der annimmt, dass der/die Verhandlungspartner/-in schon erkennt oder sogar weiß, “was ich wert bin”. Das funktionierte auch immer wieder mal sehr gut. Die anderen Male war’s dann aber sehr ärgerlich. Ich nahm geringer als erhofft/erwünscht ausgefallene Gehaltsforderungen oder -erhöhungen früher mal sportlich, mal enttäuscht und auch mal richtig sauer wahr. Vor allem aber immer versehen mit dem fiesen Zusatz “Ich hab’s vergeigt – ich kann das nicht.” Und Hand auf’s Herz: vor der nächsten Verhandlung war’s mir nicht gerade wohler. Also verschieben – darauf warten, dass das Gegenüber von sich aus das Thema auf die Agenda setzt. Kneifen und erstmal die ohnehin lange To-Do-Liste abarbeiten. Und doch bleibt ja der Ingrimm über die mangelnde finanzielle Anerkennung meiner Leistung – und über meinen inneren Schweinehund. Das Allgemeinste daran: der Ingrimm bleibt nicht nur,  er wächst auch noch! Fiese Möpp – greisliges Pfuiteufel!

Seit heute ist das anders. Die Coach-Kollegin und Trainerin Claudia Kimich hat mich bislang Verhandlungsgestörte und eine Gruppe lernwilliger Mitschweigender und Co-Verschämter einen wunderbaren Tanz gelehrt: Den Verhandlungstango. Was für ein schlaues Bild führte sie als ehemalige Turniertänzerin uns da doch vor Augen: Verhandeln ist wie Tanzen. Es geht um die Wahl des richtigen Partners, den Rhythmus, um führen und sich führen lassen, um deutlich erkennbare Parkett-Statements und auch manchmal um kaum wahrnehmbare Wiegeschritte. Und in kurzer Zeit wurde mir nicht nur klar, welcher Verhandlungstyp ich selbst bin, ich habe jetzt auch klare Vorstellungen davon, wie ich mit wem mich wie auf’s Parkett begeben kann, ohne gleich den Absatz abzubrechen oder zu stolpern. Ich habe jetzt sogar ein bisschen Lust auf’s Verhandeln. Ziemlich Lust. Warum auch nicht – es ist ein Tanz. Und nun geht’s ans Üben. Denn heißt’s nun mal so treffend: Lernen erfolgt außerhalb der Komfortzone. Ich freu mich drauf – denn ich empfinde es immer als Bereicherung, meinen Horizont zu erweitern.
Und was möchten Sie schon eine ganze Weile lernen und verändern?

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Mein Nachsatz zu den Vorsätzen.

In den Frischjahrestagen 2014 nahm ich erstmals eine rege Diskussion über den Sinn oder Unsinn wahr, mit einem oder mehreren guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten. Zahlreiche Twitteristi amüsierten sich königlich über den Vorsatz-O-maten und auch bei Facebook sah ich viele Postings zu den Wortkombinationen. Und bloggte hier jemand für puren Lebensgenuss ohne Planung, hielt dort ein Anderer sein Plädoyer für die Vorzüge fester Ziele.

Natürlich verfüge auch ich über eine Vorsatz-Historie, die insbesondere das Ranking des Themas “xy Kilo müssen runter” in einigen Jahren befeuert haben dürfte. Spätestens im vergangenen Jahr erlebte ich jedoch, dass ich am meisten bewirken konnte, wenn ich nur aufmerksam die Impulse aufnahm, die sich zeigten und darauf folgend mein Handeln ausrichtete. Es war eine Ausnahmesituation, ja. Ein Familienmitglied war überraschend sehr schwer erkrankt und verstarb schließlich auch. Wochenlang war nichts mehr planbar, jeder Moment konnte sehr vieles, mancher sogar alles verändern. Es gab entsetzlich laute und dann wieder sehr leise, kaum wahrnehmbare Impulse. Diese Zeit hat mir mehr als je zuvor verdeutlicht, wie wichtig es ist, meiner Wahrnehmung immer wieder Beachtung zu schenken. Gerade auch für mich selbst – beruflich ist sie ohnehin Grundvoraussetzung meines Wirkens und somit fester Bestandteil meines Lebens. So schmerzlich es war: es ist gut, sie nun bewusst als für mich wertvollen Begleiter um mich zu wissen.

Nach der Letztjahreserfahrung bin ich selbst also von Vorsätzen abgekommen und war nun klar auf der Seite der vorsatzlosen Fraktion zu finden.

Dennoch hat mich Anfang Januar die Thematik auch in einer Fortbildungsveranstaltung erneut beschäftigt: Dr. Gunther Schmidt griff sie in seinem Seminar zu Hypnosystemischen Arbeit für Teams und in Organisationen auf. Hochinteressant war dabei insbesondere eine kleine Übung, die ich nur weiter empfehlen kann. Wir führten uns ein Jahresziel vor das innere Auge. Und stellten uns dann – ganz im Stillen – Fragen: “Wie groß ist das Ziel im Vergleich zu mir? Wie nah ist es – oder wie weit entfernt? Wie fühle ich mich damit? Was würde sich verändern, wenn ich es verschieben würde?”. Wir gingen also in den inneren Dialog mit uns, machten uns und unserem Vorsatz verschiedene Angebote und formulierten Bitten an ihn. Und siehe da: Das Bild zum Vorsatz schärfte sich, wurde realistischer, greifbarer. Probieren Sie es ruhig mal aus.

Ich bin nicht wirklich sicher, meinen unten abgebildeten Vorsatz-O-maten-Spruch einhalten zu können – obwohl ich ja schon ein großes Faible für Bäume habe, wie Sie unter “Für Privatpersonen” nachlesen können. Aber ich bin auf alle Fälle schon sehr gespannt, wie die Jahresrückblicke der Viel- und der Nicht-Vorsätzer ausfallen werden.

Vorsatz2014

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