Die Schattierungen der Exzellenz

BCCKK13

Ich mag das große Rund des BCC-Hauptsaals. Er lässt seine Gäste und Referenten atmen, die Technik funktioniert hervorragend und er ist mittels gezielter Lichteffekte wunderbar wandelbar. Außerdem verbinde ich mit dem Saal schöne Überraschungsmomente – insbesondere bei den Keynote-Speakern der vergangenen fünf Kommunikationskongresse. Der Bundesverband der Pressesprecher schafft es immer wieder, hochkarätige und durchaus polarisierende Speaker einzuladen – und manch ein vorher eher ungeliebter Zeitgenosse hatte mich bereits durchaus positiv überrascht.

Diesmal wird mir wohl Prof. Dr. Hans-Dieter Herrmann in herausragender Erinnerung bleiben. Der Sportpsychologe der Bundeself hielt einen mitreißenden Vortrag zum Thema „Exzellenz beginnt im Kopf“. Es gehe um die Bereitschaft, sich (oder etwas) zu verändern, verkündete er. Und stellte schöne Coaching-Fragen wie „Was tun Sie, damit Ihr Kopf mitspielt?“

Lag es am Thema oder am Jubiläum? Jedenfalls war die Professorendichte diesmal gefühlt höher als in den Vorjahren. Und dies insbesondere zum Kongressmotto Exzellenz. Meine Erwartungshaltung an den Vortrag „Sackgassen der Exzellenz – Panik, Angst und Risiko“ von Prof. Dr. Walter Krämer (TU Dortmund) musste ich leider korrigieren: Es ging nicht um die Ängste und Befürchtungen von Kommunikatoren angesichts drohender oder existenter Krisen ihres Unternehmens oder das Unbehagen, das ein unberechenbarer CEO seinem Pressesprecher vermitteln kann. Vielmehr hörten wir ein überaus unterhaltsames Potpourri aus Irr-Schrecken, die über die Medien den Blutdruck der Rezipienten steigen lassen wie Hundebesitzer, deren Herzinfarktrisiko geringer sein könnte als das stillender Mütter und ähnliche Köstlichkeiten merkwürdiger Studien.
„Auf dem Weg zur Exzellenz – Die Optimierung des Menschen und ihre Grenzen“ von Prof. Dr. Armin Grunwald (ITAS) entführte uns meines Erachtens ein wenig zu intensiv  in die Welt der (Nano-)Technologie. Waren es doch Sätze  wie „Unterhalb der Exzellenz hat man heute als Mensch keine Chance mehr“, die ich gerne vertieft und beleuchtet hätte. Wird Exzellenz heute gleich gesetzt mit Perfektion? Im Sport, im Business – ja, sogar im Privatleben? Grunwald empfahl in seiner Bücherliste „The Case against Perfection“ von Michael Sandel – es könnte recht interessant sein.

Aus meiner PR-Historie heraus habe ich durchaus Verständnis dafür, dass Best Case-Referenten im Kreise der Kolleg/-innen auch bestmöglich dastehen möchten und deshalb auch beim wiederholten Aufguss eines altbekannten Teebeutels mittels hervorragender KPI-Darbietung zu brillieren versuchen. Dennoch war das Fallbeispiel, das von seinem Verfasser mit dem Tweet „Wie ein Projekt richtig Prügel bekommt und wie man da wieder rauskommt“ angekündigt wurde, herrlich erfrischend und um vieles lehrreicher. Es tut einfach gut, wenn ein Unternehmen mal den Mut findet, wie Alexis Sorbas den Zusammenbruch des mühsam erschaffenen Lorensystems mit dem Ausruf „Ich habe noch nie etwas so wunderbar zusammenkrachen gesehen!“ zu kommentieren. Fehler macht jeder – es geht darum, was man aus ihnen lernt.

Exzellenz hat sich auf dem Kongress in Berlin also in vielen Schattierungen gezeigt.
Und auch in mir Impulse gesetzt, denen ich sicherlich in den kommenden Wochen weiter nachgehen werde. Sie hat für mich in der Tat viel mit der Strahlkraft eines Menschen zu tun. Oder mit der eines Kunstwerks… oder eines Gebäudes oder Wahrzeichens.

Danke Berlin – das waren wieder viele Anregungen, die Du mir mitgeben hast!

AlexandI

 

 

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