Konflikte? Auf den Tisch damit!

Konflikte in Teams und Organisationen kosten nicht nur Nerven, sondern schnell auch Geld. Kapazitäten und Energien werden gebunden, mit der Zeit schrauben sich die Eskalationsstufen von einem Level ins nächste hoch.

business concept conflict megaphone

In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Als Coach erlebe ich üblicherweise nur einen der Konfliktpartner, meist auch außerhalb seines Konfliktraumes (also des Firmensitzes). Als Konfliktmoderator lerne ich alle Konfliktparteien kennen und unterstütze sie in meiner Allparteilichkeit darin, zu ihrer Lösung zu kommen. Dieser Prozess beinhaltet als Voraussetzung natürlich immer, dass die Beteiligten freiwillig an der Lösungsfindung teilnehmen.

„Dazu gibt es doch eigentlich die Mediation“, mögen Sie sich nun sagen. Richtig − bis zu einer klar definierten Eskalationsstufe sind jedoch auch wir Coaches und Konfliktmoderatoren befähigt, Sie bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Einige weitere Punkte unterscheiden uns Konfliktmoderatoren und Coaches klar von den Mediatoren: Während die Mediation strikt darauf achtet, Ich-Botschaften zu formulieren, lassen wir Du-Botschaften zu. Wir sind, anders als die Mediatoren, nicht daran interessiert, Themen „in Samt und Seide zu kleiden“ und abschließend eine Vereinbarung schriftlich zu fixieren. Wir schauen vielmehr genau hin und benennen offen, was wo wie schmerzt. Dies alles geschieht in absoluter Vertraulichkeit und − wie oben schon benannt − in Allparteilichkeit (die von Neutralität durchaus zu unterschieden ist). Letztlich wollen wir, dass unsere Klienten das Problem beheben und zu umsetzbaren Lösungen finden.

Wie immer ist die berufliche Hinwendung zu einem Thema für mich auch ein Anlass, mich mit möglichen eigenen Begegnungen zu beschäftigen. Ich mache kein Hehl daraus: Es gab Konflikte. Immer wieder. Mal intern, mal extern. Manche von ihnen wurden gelöst, andere nur unter den Tisch gekehrt. Als wirklich überflüssig erachte ich rückblickend diejenigen, die eine Weile unterschwellig schwelten und nie benannt wurden. Aus diesen sind alle Beteiligten als Verlierer heraus gegangen. Denn neutral betrachtet birgt eine Meinungs- oder Standpunktverschiedenheit (also die Vorstufe eines Konflikts) zunächst einmal die Chance in sich, die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und statt gewohnter Pfade auch mal einen anderen Weg einzuschlagen. Schade also, wenn wir diese Chancen verstreichen lassen und nicht in der Reibung mit dem Kontrapart unsere Argumente reflektieren, den Blick auf das Thema schärfen und so die Möglichkeit auf Veränderung und Entwicklung nutzen.

Deshalb möchte ich Mut machen, Konflikte nicht zu scheuen − privat wie im Job. Wenn es im Gebälk knirscht, dann raus damit: Legen Sie die Karten auf den Tisch.
Und: Geschätzte Führungskräfte und Personalverantwortliche, bitte schauen Sie nicht weg, wenn ein Mitarbeiter den Mut fasst, einen Konflikt zu benennen und sich ratsuchend an Sie wendet.
Konflikte sind ernst zu nehmen.
Und meistens sind sie lösbar.

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Die Job-Flucht, neue Unternehmenskultur und ein wilder Wald. Mein #rp14-Konferenz-Rückblick.

Zum vierten Mal besuchte ich die Internet-Konferenz re:publica in Berlin. Erstmals hatte ich in den Wochen vorher eigentlich keine Lust darauf, denn irgendwie schreckte mich die groß angelegte Ankündigung eines Auftritts von David Hasselhoff, den ich so gar nicht als stimmig dort empfinden wollte. Außerdem empfand ich das Programm im Vorfeld als zu umfangreich, die Titel vieler Vorträge und Sessions zu schwabbelig (Kreativität in allen Ehren, aber bei gefühlten 10 Auswahlmöglichkeiten pro Timeslot wird’s einfach extrem anstrengend, seine Wahl zu treffen).

Aber wie lautet doch ein beliebtes Coaching-Credo: „Lernen passiert außerhalb der Komfortzone“. Also doch ab nach Berlin! Und welches Deko-Element hat die re:publica 2014 für ihr Motto „Into the Wild“ gewählt? Genau: den Wald, den ich so gerne zitiere, wenn ich Coaching beschreibe. Zufall?

WaldRP14

In den drei Konferenztagen waren unendlich viele und vielseitige Sessions, Diskussionen, Reden, ja sogar Übungen angeboten. Einige davon möchte ich hier aufgreifen und kurz vorstellen.

Das Thema Work-Life-Balance beschäftigt wohl die meisten von uns seit Jahren so intensiv wie der Belag eines Butterbrots. Auf der #rp14 stellten Nina BiniasKathrin Kaufmann und Johanna Emge in „Jetlag Overload – One day we’ll be tired, baby!“ verschiedene Aspekte um die Tücken nahezu permanenter Online-Präsenz vor. Sie stellten Studienergebnisse zusammen, befragten in Videos und live vor Ort Onliner zu ihren Erfahrungen, Überlegungen sowie ihrem Nutzungsverhalten und beleuchteten so auch Wege, die in offline-Ruhe führen können. Die drei thematisierten damit vor allem eines unseres stärksten Gefühle: die Sehnsucht. Leider ist der Beitrag ab und an etwas von der fröhlichen Geräuschkulisse der Nachbarsession beeinträchtigt, aber daran gewöhnt man sich.

Sven Peters stellte in Fostering a Company Culture for Growth & Innovation die Veränderungen in der Unternehmenskultur von Atlassian vor. Das australische IT-Unternehmen ist innerhalb von acht Jahren auf mehr als 800 Mitarbeiter angewachsen. Spannend ist, wie sie ihr Wissen und ihre Kommunikation per Blog-Posts und Chats über viele unterschiedliche Zeitzonen hinweg organisieren, teilen und gestalten. Ein Buddy-Programm lässt neue Mitarbeiter schnell ankommen, der „Programmer“ wird zum „Brogrammer“, in San Francisco gibt es ein „Beer Bike“, das Neulingen einen guten Start erleichtern soll. Es geht auch um die Beteiligung aller Mitarbeiter an der Entwicklung neuer Ideen.

Für Ruhe und Entspannung sorgte dieses Jahr erneut Annina Luzie Schmid mit ihrer Einführung in Laptop Yoga. Leider ist es keinen Videomitschnitt verfügbar – ein paar Impressionen gibt es aber auf Anninas Tumblr und im Interview von t3n gibt’s ein paar kleine Übungen zu sehen. Ich fand’s klasse und werde versuchen, sie in den Bildschirm-Alltag zu integrieren.

Dies also nur als Mini-Ausschnitt eines Riesenprogramms mit zahlreichen Highlights. Immer wieder beeindruckend ist die wunderbare Leichtigkeit, mit der diese Konferenz läuft (immerhin ein Großevent mit mehr als 6.000 Besucher/-innen)!) Dahinter steckt ein hervorragendes und motiviertes Team, das wunderbarerweise auch Jahr für Jahr bei der Abschluss-Session persönlich vorgestellt wird. Auch wenn es lange dauert: es wird vom Gros des Publikums als die tolle Geste der Wertschätzung wahrgenommen, die es ist. Dazu gehört auch Mut des Managements – Hut ab davor!

… und ja: Herrn Hasselhoff habe ich dann auch gehört (nicht gesehen – siehe Foto). Und die Geschichte, die er auf der Bühne erzählte, war dann auch stimmig. Irgendwie.

HasselhRP

 

 

 

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