#rp15: Eine Konferenz mit Strahlkraft

Kürzlich tagte in Berlin die Internet-Konferenz re:publica zum neunten Mal: 7.000 Besucher waren dieses Jahr anwesend, erneut hatten die Veranstalter ein klares Mehr an Redner/-innen, Bühnen, Technik, Subthemen (neben der Media Convention gab es weitere Spezialthemen rund um Health oder Learning).

Die Vielfalt der Themen und Redner/-innen machte mir die Entscheidung für einzelne Panels und Session nicht leicht – selten erhalte ich mehr Impulse, beruflich wie persönlich. Und dennoch habe ich mich für eine kleine Auswahl entschieden, die ich hier gerne skizzieren möchte.

Eine gute Praxisorientierung für verhinderte Zeichengenies wie mich bot der Sketchnotes-Vortrag von vizthink.de.

Mit Gänsehautfaktor: Der Vortrag des 89-jährigen Soziologen Zygmunt Bauman über die Gratwanderung der Bedürfnisse, auf der sich viele Menschen heute befinden. Einerseits sei uns die Privatsphäre nach wie vor ein überaus wichtiges Gut – andererseits gierten wir mehr denn je nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. „Wir fliehen vor unserer Angst, alleine zu sein, übersehen zu werden oder gar überflüssig zu sein“, sagte Bauman. Und betonte, dass Mark Zuckerberg mit der Gründung von Facebook exakt den Nerv der Zeit getroffen habe. Denn: Wir seien eine große Gruppe einsamer Menschen, die ständig miteinander in Verbindung stünden. Bauman erinnerte auch daran, dass täglich mehr Infos „ins Netz“ geladen werden, als das Gehirn je aufzunehmen vermag. Wir leben also im Zeitalter der Über-Information und neigen dazu, uns ständig zu überfordern in unserem Wissenshunger (und sei er nur auf Klatsch und Tratsch gerichtet). Seinen Warnungen vor der unüberlegten Preisgabe zu vieler Daten darf man durchaus Glauben schenken: Baumann, der 1939 aus Warschau in die Sowjetunion geflohen war, machte nach dem Krieg zunächst Karriere beim polnischen Staatssicherheitsdienst, bevor er die wissenschaftliche Laufbahn wählte. Sein Schlussplädoyer galt der Selbstreflexion: „Be self reflective. I think we are far away from being self reflective enough.“

Faszinierend war der Bericht von Markos Lemma über ein eLearning-Projekt in Äthiopien, wo zahlreiche Kinder aufgrund der Abgeschiedenheit ihrer Dörfer keine Chance haben, eine Schule zu besuchen. Ihnen wurden mit Lern-Apps beladene Tablets zur Verfügung gestellt – ohne weitere Erklärung, wie sie anzuschalten oder gar zu bedienen seien.
Die Erfahrungen zeigen Erstaunliches: Der Rekord für das Starten des Tablets liegt bei unter vier Minuten – innerhalb einer Woche beherrschen die Kinder das Gerät bestens. Sie erlernen das Lesen (und somit in der Folge auch das Schreiben) innerhalb von drei Jahren, erhöhen dabei ihre Kreativität, später erlangen sie auch Wissen zu Themengebieten wie Chemie oder Mathematik. Und häufig stecken sie ihre Eltern mit ihrer Wissbegierigkeit an – so sinkt mit der Zeit auch die Zahl der erwachsenen Analphabeten. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Kreativität der Kinder steigt, sie machen Fotos, treten stärker mit anderen in Interaktion. Etwas beunruhigend fand ich die Aussage, dass der Tagesablauf sich ebenfalls verändert: Wäre bislang die Nachtruhe in den Hütten nach Sonnenuntergang gegen 19 Uhr eingekehrt, so würden die Familien nun abends noch gemeinsam das Tablet nutzen. Auf die Frage, warum man sich gegen Bücher und für die Technologie entschieden habe, erfuhren wir, dass die Interaktionsrate durch die Tablets deutlich höher sei und damit die Lernkurve deutlich steige.

Illiteracy

Die Verhältnismäßigkeit von Themen und ihre tatsächliche Bedeutung führte uns der ESA-Astronaut Dr. Alexander Gerst im Vortrag über seinen halbjährigen ISS-Aufenthalt eindrucksvoll vor Augen. In vielen Beispielen macht er schnell klar, was ein Perspektivwechsel bedeuten kann und warum er auch für Wissenschaftler so wichtig und zugleich beeindruckend sein kann. Das Auditorium war sich übrigens recht einig: Alexander Gerst verfügt über Leidenschaft für seinen Beruf und verkörpert Strahlkraft pur!

Ich bedanke mich für viele wertvolle Impulse und gute Gespräche bei allen, denen ich auf der #rp15 erneut oder erstmals begegnet bin und freue mich auf den Mai 2016.

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrss

Ein unerwarteter Rückblick.

Ich war sehr überrascht, als mir jüngst eine Liste in die Hand fiel, die einige Jahre lang an meiner Kühlschranktüre prangte, bevor sie beim letzten Umzug vor 18 Monaten in einem Zettelkonglomerat verschwand. Ich hatte mir damals aufgrund zunehmender Job-unzufriedenheit notiert, was ich mir von einem neuen beruflichen Schritt wünschte und erhoffte. Es dauerte noch eine geraume Weile, bis meine Entscheidung wirklich reif war.

Heute macht es mich betroffen, zu sehen, was mir damals alles fehlte. Was mir von mir selbst abhanden gekommen war − obwohl es ein von Vielen beneideter „Traumjob“ war, den ich damals hatte. Vieles daran war wirklich top: das Unternehmen, die Job-Description, der Titel und die damit verbundene Verantwortung. Ebenso der (scheinbare) Gestaltungsfreiraum, der Geschäftsführer als mein direkter Vorgesetzter und natürlich auch das Gehalt.
Und doch: ich mutierte mit der Zeit zu einer Erfüllungsmaschine für Themen, die nicht wirklich meine waren. Funktionell und funktionierend, aber zunehmend kraftlos. Dadurch und durch die ubiquitäre Präsenz (der Geschäftsführer nahm sein Business so ernst, dass er mir sogar am Heilig Abend kurz vor der Bescherung noch berufliche Mails schickte), begann mein Körper irgendwann zu rebellieren: Das Gewicht stieg, die Haare fielen aus, an durchgehenden Schlaf war nicht mehr zu denken…
Immer wieder meldete sich das Unterbewusstsein: „Du erfüllst Deinen Job. Aber Du schwänzt Deine Berufung.“ Irgendwann schrieb ich aus einem Impuls heraus diese Liste und pinnte sie zur regelmäßigen Selbstreflexion an die Kühlschrank-Tür.

Wünsche

Blicke ich heute darauf, so weiß ich erst, wie richtig sie war. Sie hat mir geholfen, meinen inneren Kern wieder zu entdecken und die mir wirklich wichtigen Werte zurück zu erobern. Und was mich besonders freut: Ich habe bereits damals Strahlkraft als mir wichtig erkannt und genannt!

Vielleicht haben Sie ja auch einen Zettelstapel mit einer ähnlichen Liste.  Und − was steht drauf? Oder anders gefragt: Welche Punkte würden Sie notieren?

 

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrss

Gut Ding will Heimat haben.

Das mit der Weile, die das „gut Ding“ haben will, stimmt ohnehin. Schließlich habe ich mich im September 2012 erstmals mit dem Gedanken beschäftigt, einen festen eigenen Raum für die Coaching-Sitzungen zu mieten.
Viele Online-Inserate, einige Besichtigungstermine und zahlreiche Selbstreflexionsrunden später bin ich fündig geworden: Haidhausen heißt meine neue berufliche Heimat. Und dieser Stadtteil Münchens ist mir bereits recht gut vertraut: Ich hatte schon am Klinikum Rechts der Isar studiert, in der Wörthstraße bei einem Allgemeinmediziner famuliert, später  ein Praktikum in einer Werbeagentur gemacht und schließlich den PR-Fachwirt an der Bayerischen Akademie der Werbung absolviert. Nach meiner Hamburger Zeit wohnte ich  lange Jahre in der abwechslungsreichen Kirchenstraße zwischen den meisten Kindergärten und Schulen Münchens, dem Unionsbräu, einer Harfenbauerin und dem Dauer-In-Griechen Paros und arbeitete beim Verlag Gräfe und Unzer, nur wenige Gehminuten entfernt.

Diesmal ist’s die Innere Wiener Straße 10 geworden, direkt an der Trambahn-Haltestelle Gasteig. Mein Vermieter und ich teilen uns ein Ladenbüro, in dem früher jahrzehntelang eine Zoofachhandlung war. Heute sitzt nun also der unternehmensberatende Kollege im großen, zur Straße gewandten Raum und ich im deutlich ruhigeren Zimmer zum Innenhof hinaus. Der Blick fällt auf Bäume und die typische Hinterhof-Idylle mit all ihren Facetten. Mein Raum ist leicht trapezförmig geschnitten — neben dem wunderbaren alten Fischgrätparkett mit ein Grund, mich für ihn zu entscheiden. Ich mag das Eckige, Ungewöhnliche und somit eben sehr Individuelle in der Architektur gerne. Es hat einfach Charme.

Anfangs habe ich gestern in meinem Auftakt-Coaching noch das leichte Rumpeln der Trambahn wahrgenommen und ganz dezent auch ihr Gebimmel. Aber dann… trotz geöffneter Fenster waren meine Klientin und ich ganz schnell nur noch bei ihren Themen und deren Lösungen. Und die Zeit verflog. Ein guter Start also, auf den ich eine ganze Weile schon Hoffnung und Vorfreude vereinte.
Noch gibt es Kleinigkeiten zu erledigen wie die Aufschrift auf der Glastür oder den Aufbau eines weiteren Regals. Aber das Gefühl, eine gute Wahl für meine Klienten und mich getroffen zu haben, ist schon da.

Aufgrund der Sommerferien gibt’s bis Mitte September auch viele Parkplätze „vor der Tür“ (zwei Parkhäuser sind ohnehin um die Ecke – im Gasteig und neben dem Hofbräukeller), alle S-Bahn-Linien halten am Rosenheimer Platz, die U4 und U5 am Max-Weber-Platz. Am bequemsten dürfte die Tram 16 sein, denn sie hält zehn Schritte vor der Tür (Haltestelle Gasteig). Wer mit den Linien 15, 19 und 25 zum Max-Weber-Platz/Johannisplatz oder zur Wörthstraße fährt, kann zusätzlich einen hübschen Zehnminutenspaziergang durch eines der liebenswertesten Viertel Münchens genießen.

Ich freue mich auf gute und lösungsreiche Coaching-Sitzungen in der Inneren Wiener Straße — sehr gerne mit Ihnen und für Ihr Anliegen. Da ich nicht immer vor Ort bin,
bitte ich auch alle Besuchswilligen, die sich informieren wollen, um einen Anruf unter
0179 – 920 53 75 oder eine kurze Nachricht an mail@catharina-wilhelm.de — danke!

IWieBr1

 

 

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrss

Die Schattierungen der Exzellenz

BCCKK13

Ich mag das große Rund des BCC-Hauptsaals. Er lässt seine Gäste und Referenten atmen, die Technik funktioniert hervorragend und er ist mittels gezielter Lichteffekte wunderbar wandelbar. Außerdem verbinde ich mit dem Saal schöne Überraschungsmomente – insbesondere bei den Keynote-Speakern der vergangenen fünf Kommunikationskongresse. Der Bundesverband der Pressesprecher schafft es immer wieder, hochkarätige und durchaus polarisierende Speaker einzuladen – und manch ein vorher eher ungeliebter Zeitgenosse hatte mich bereits durchaus positiv überrascht.

Diesmal wird mir wohl Prof. Dr. Hans-Dieter Herrmann in herausragender Erinnerung bleiben. Der Sportpsychologe der Bundeself hielt einen mitreißenden Vortrag zum Thema „Exzellenz beginnt im Kopf“. Es gehe um die Bereitschaft, sich (oder etwas) zu verändern, verkündete er. Und stellte schöne Coaching-Fragen wie „Was tun Sie, damit Ihr Kopf mitspielt?“

Lag es am Thema oder am Jubiläum? Jedenfalls war die Professorendichte diesmal gefühlt höher als in den Vorjahren. Und dies insbesondere zum Kongressmotto Exzellenz. Meine Erwartungshaltung an den Vortrag „Sackgassen der Exzellenz – Panik, Angst und Risiko“ von Prof. Dr. Walter Krämer (TU Dortmund) musste ich leider korrigieren: Es ging nicht um die Ängste und Befürchtungen von Kommunikatoren angesichts drohender oder existenter Krisen ihres Unternehmens oder das Unbehagen, das ein unberechenbarer CEO seinem Pressesprecher vermitteln kann. Vielmehr hörten wir ein überaus unterhaltsames Potpourri aus Irr-Schrecken, die über die Medien den Blutdruck der Rezipienten steigen lassen wie Hundebesitzer, deren Herzinfarktrisiko geringer sein könnte als das stillender Mütter und ähnliche Köstlichkeiten merkwürdiger Studien.
„Auf dem Weg zur Exzellenz – Die Optimierung des Menschen und ihre Grenzen“ von Prof. Dr. Armin Grunwald (ITAS) entführte uns meines Erachtens ein wenig zu intensiv  in die Welt der (Nano-)Technologie. Waren es doch Sätze  wie „Unterhalb der Exzellenz hat man heute als Mensch keine Chance mehr“, die ich gerne vertieft und beleuchtet hätte. Wird Exzellenz heute gleich gesetzt mit Perfektion? Im Sport, im Business – ja, sogar im Privatleben? Grunwald empfahl in seiner Bücherliste „The Case against Perfection“ von Michael Sandel – es könnte recht interessant sein.

Aus meiner PR-Historie heraus habe ich durchaus Verständnis dafür, dass Best Case-Referenten im Kreise der Kolleg/-innen auch bestmöglich dastehen möchten und deshalb auch beim wiederholten Aufguss eines altbekannten Teebeutels mittels hervorragender KPI-Darbietung zu brillieren versuchen. Dennoch war das Fallbeispiel, das von seinem Verfasser mit dem Tweet „Wie ein Projekt richtig Prügel bekommt und wie man da wieder rauskommt“ angekündigt wurde, herrlich erfrischend und um vieles lehrreicher. Es tut einfach gut, wenn ein Unternehmen mal den Mut findet, wie Alexis Sorbas den Zusammenbruch des mühsam erschaffenen Lorensystems mit dem Ausruf „Ich habe noch nie etwas so wunderbar zusammenkrachen gesehen!“ zu kommentieren. Fehler macht jeder – es geht darum, was man aus ihnen lernt.

Exzellenz hat sich auf dem Kongress in Berlin also in vielen Schattierungen gezeigt.
Und auch in mir Impulse gesetzt, denen ich sicherlich in den kommenden Wochen weiter nachgehen werde. Sie hat für mich in der Tat viel mit der Strahlkraft eines Menschen zu tun. Oder mit der eines Kunstwerks… oder eines Gebäudes oder Wahrzeichens.

Danke Berlin – das waren wieder viele Anregungen, die Du mir mitgeben hast!

AlexandI

 

 

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrss

Die Kommunikation von morgen sieht aus wie…

… die von gestern?
… die von heute?
… doch ganz anders ?
Morgen geht’s auf in mein geliebtes Berlin, zum 10. Kommunikationskongress, der wie immer von Bundesverband der Pressesprecher veranstaltet wird. Es wird mein fünfter Besuch in Folge sein. Zwei habe ich beblogt – hier sind meine Posts. 2011 hatte mich auch der PR-Blogger Klaus Eck interviewt – es ging damals in erster Linie um meine Arbeit bei DeutschlandCard, in der letzten Frage schildere ich jedoch meine Meinung und die Erwartungen an den Kongress.

Das im Interview und in den Blogposts erwähnte „Klassentreffen“ scheint diesmal kleiner auszufallen – erstaunlich viele meiner Freunde und früheren Kolleg/-innen bleiben dem BCC dieses Jahr fern. So fühle ich mich fast ein wenig alleine, so dies bei einer Besucherzahl von mehr als 1.000 Pressesprecher/-innen und PR-Berater/-innen überhaupt geht. Als Anhängerin des Wechsels von Perspektiven wird’s so jedoch zur guten Übung für mich, muss ich mich doch aus der bequemen „endlich mal wieder xx und xy treffen und hören, was sich so im letzten Jahr getan hat“-Komfortzone in die (vermeintlich) unbequemere „dann lerne ich eben neue Leute kennen“-Haltung wechseln. Zugegeben: das kostet auch mich ab und an etwas Überwindung.

Und dennoch: Ich bin gespannt und voller Vorfreude auf eine gute Mischung von Bekanntem und Ungewissen. Menschlich wie inhaltlich.
Außerdem habe ich ja mein neues Werken und Wirken im Gepäck und werde die ersten offiziellen Strahlkraft-Visitenkarten verteilen. Es war und ist an der Zeit, meiner beruflichen Veränderung einen neuen Namen zu geben. Und der Berliner Kommunikationskongress ist sicherlich ein wunderbarer Ort für den Erstauftritt.

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrss