Vom Nicht und Nie

Einen Tag lang hing eine Tafel nebst vieler Kreiden mitten in New York. „Schreib auf, was Du am meisten bereust“ lautete die Aufforderung. Und nach anfänglicher Schüchternheit begannen Passanten, ihre Themen zu notieren. Die Liste des Reue umfasste vieles wie nicht „ich liebe Dich“ gesagt zu haben, keine Zeit mit einem mittlerweile verstorbenen Elternteil verbracht zu haben, sich nicht für das Studium des Herzens beworben oder eingeschrieben zu haben, den MBA-Titel nicht erworben zu haben oder andere enttäuscht zu haben. Mit dabei auch Einträge wie nie den eigenen Träumen gefolgt zu sein, kein guter Freund gewesen zu sein oder sich in eine relevante Angelegenheit oder ein wichtiges Thema nicht eingemischt zu haben. Alle Beiträge wurden geeint durch zwei scheinbar kleine Worte: „not“ und „never“. Nicht und nie.

Im zweiten Teil des Experiments erhielten die Tafelschreiber einen Schwamm. Und siehe da: Waren die beiden kleinen Worte „not“ und „never“ ausgelöscht, empfanden und schilderten ihre gerade noch traurigen Verfasser Erleichterung. „Eine nicht beschriebene Tafel bedeutet offene Möglichkeiten“, sagt eine junge Frau. Und ja: Jeder neue Tag birgt die Chance in sich, etwas neues zu tun oder einfach nur, etwas einmal anders zu machen. Etwas, von dem wir eines Tages sicherlich nicht sagen wollen „Ich bereue es, das nicht getan zu haben.“

Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen: Es ist eine gute Übung, sich ab und an Gedanken zu den tatsächlichen sowie den möglichen Reuemomenten des eigenes Lebens hin zu spüren. Und dann zu schauen, ob Sie den Schwamm ansetzen wollen auf der Tafel Ihres Lebens … und wo genau.

Die Aktion wurde von der von Schauspieler Ashton Kutcher gegründeteten Organisation „A Plus“ durchgeführt, die es sich zum Ziel gemacht hat, via viralem Storytelling positive  Impulse in die Welt zu bringen.

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Vom Wertvollen im Rückblick

Muss das sein: Noch ein Rückblick? Nein, sein muss es nicht. Und dennoch bietet der Blick auf Vergangenes manchmal doch sehr gute Gelegenheit, um anderes Vergangenes und auch die Gegenwart aus einem veränderten Blickwinkel betrachten zu können.
Genau das erlebte ich am 18. Dezember beim Öffnen meines Facebook-Accounts. Die Plattform hat seit einigen Monaten eine Erinnerungsfunktion eingeführt, die ab und an alte Beiträge für das betreffende Tagesdatum zeigt und zum Re-Posting anbietet. Mir gefällt diese Funktion von Mal zu Mal besser, bietet sie mir doch eine überaus wertvolle Hilfe, kurz innezuhalten und auf Vergangenes zu blicken – mal mit einem kurzen Lächeln, mal als Anlass für ein rasches Augenrollen und ab und an auch mal für etwas tiefere Betrachtungen.

Am 18. Dezember brachte mich folgender Beitrag mit dem Link auf einen Blogbeitrag aus dem Jahr 2010 ins Reflektieren:
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Was mich dabei bewegte, habe ich wiederum in diesem Facebook-Posting festgehalten:

„Fünf Jahre ist’s nun her, dass ich auf einem (bei Schnee und auf dem weißen Bereich des Zebrastreifens gut getarnten) Apotheker-Plastiktütchen ausrutschte und der herannahende SUV gerade noch so stoppen konnte. Es folgte neun unendlich lange Wochen des Dauerliegens, weil die Ärzte erst beim zweiten MRT-Bild nach einigen Wochen sehen konnten, dass die Verletzungen im linken Fuß doch wesentlich umfangreicher waren als zunächst angenommen. Eine OP war dann nicht mehr sinnvoll und möglich. Es waren schmerzvolle Wochen – unbeweglich und doch immer gejagt und getrieben von des Chefs Dauermailbeschallung.

Und doch: Wäre der Unfall nicht passiert, hätte ich wohl nicht die Gelegenheit gehabt, mal all den Stimmen meines inneren Teams zu lauschen und sie zu reflektieren. 
Ich hätte wohl nicht am Abend des letzten Bewerbungstages auf die Website des Coaching-Ausbildungsinstituts artop geklickt und mich dann noch in letzter Minute beworben. So humpelte ich einige Wochen später mühsam durch Berlin zum Auswahlgespräch und wenige Wochen später zum ersten Modul.

Ich würde heute nicht als Coach arbeiten, hätte nicht zusätzlich noch eine Trainer- und eine Qigong-Kursleiterausbildung absolviert. Ich hätte nicht ein zweites Mal den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, wäre nicht glücklich über meine 12qm Coachingraum nahe dem Gasteig und wäre vor allem vielen wunderbaren Menschen nicht begegnet. 
Klar – ich hätte weiterhin ein gutes und sicheres Gehalt und eine klar definierte Zahl von Urlaubstagen und jede Menge Renommee in meinem Pressesprecher-Job. Vermutlich würde aber auch dieses Jahr am Hl. Abend um 16:30 Uhr wieder eine Mail meines GF mit einigen To Dos für die Weihnachtsfeiertage erhalten.

So langwierig und fies auch der Heilungsprozess war und so sehr ich diese Millisekundenepisode meines Lebens auch gehasst habe, so sehr bin ich heute auch dankbar für diese Zäsur. Und die Erfahrung zeigt mir: Das Innehalten und in sich Hineinschauen birgt immer auch die Chance auf Veränderung in sich. Oder auch die Erkenntnis, dass es einfach mal gerade so gut ist, wie es ist. 

Heute ist vieles vieles in meinem Leben um ein großes Stück mehr „gut“ als es damals vor fünf Jahren war. Und deshalb bin ich der kleinen, heimtückischen Plastiktüte doch auch recht dankbar, dass sie in ihrer Unerkennbarkeit den Anstoß dazu gegeben hat. Bei allen weiteren Selbstreflektionen lasse ich allerdings gerne die Plastiktüten dieser Welt beiseite – das ist bekanntermaßen auch fürs Klima besser – und wende mich lieber gleich in mich selbst oder an den Coach meines Vertrauens.“

Mir hat es richtig gut getan, an dieses alte und scheinbar vergessene Thema noch mal ranzugehen. Es war mir damals so unendlich lästig und beschwerlich, stand es doch für eine richtige Mistzeit! Und doch kann ich heute aus der Distanz die Chancen darin erkennen, die ich glücklicherweise auch instinktiv genutzt habe (um die Möglichkeit einer Coaching-Ausbildung war ich nämlich zwei Jahre zuvor erstmals herumgeschlichen und hatte außerdem ein halbes Jahr vor dem Unfall dazu gebloggt).

Auch jetzt, wenn ich den blauen Text noch mal lese, fällt mir etwas auf, was mich sehr glücklich macht: Da steht, dass „vieles in meinem Leben um ein großes Stück mehr «gut»“ ist. Hey, ich als früher so stolze Perfektionistin sage und schreibe nun „gut“ – und meine es auch so. Es muss nichts mehr „perfekt“ sein. Ich bin glücklich und dankbar, wenn etwas „gut“ ist. Wie erleichternd das doch ist.

Natürlich halte ich gerade bei so persönlichen Themen vor dem Klick auf den „Veröffentlichen“-Button immer noch mal inne, um zu prüfen, ob ich wirklich wirklich wirklich mit Details wie diesen an meinen Leser/-innenkreis herantreten will/soll/kann/möchte. Auch jetzt. In meinem privaten Blog sind neben vielen Reiseerlebnissen und Kulturgenussmomenten auch immer wieder diese sehr persönlichen Themen enthalten (mein Blog startete ich 2009 tatsächlich als das, was Blogs in ihrer Anfangszeit mal waren: eine Art Tagebuch). Es hat mir immer gut getan, meine Gedanken zu einem mich bewegenden Thema aufzuschreiben und über den Klick auf den Veröffentlichungsbutton damit auch tief im Inneren zu wissen, dass ich nun wirklich zu ihnen stehe. Und ich finde es großartig, dass ich heute nachvollziehen kann, wer und was mich vor Jahren fordernd oder durchaus auch liebevoll bewegte und beschäftigte.

Deshalb möchte ich Mut machen, ein Blog zu starten (oder auch ein klassisches Tagebuch) zu führen und Fotos auf Instagram oder einer ähnlichen Plattform zu posten. Ganz bewusst. Und auch gerne in vollkommener Abgeschiedenheit (all diese Social Media-Plattformen lassen sich so einstellen, dass jegliche Privatsphäre gewahrt bleibt – im Zweifelsfall einfach Fachleute fragen). Erinnerungsmöglichkeiten an Schönes und auch an die blöderen Seiten und Zeiten des Lebens zeigen oft erst die wahren Werte des Geschehenen in deutlicher Klarheit.

Dieses Jahr hat rückblickend vieles Wunderbare in sich gehabt: Den Workshop Die Lilith-Energie mit meiner Coaching-Kollegin Nathalie Springer, das Vertrauen neuer Klientinnen und Klienten und sehr intensive Coaching-Sitzungen, jede Menge blauen Himmel mit Strahlesonne (das belegt auch die Zusammenstellung meiner neun beliebtesten Instagram-Fotos des Jahres), erfrischende Reise-Erlebnisse, viel neues Wissen und weitere schöne Ideen, die ich im neuen Jahr gerne mit Leben füllen und hier vorstellen werde.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen ein rundum gutes, glückliches und gesundes 2016, das viel Schönes und Erinnernswertes mit sich bringen möge!

Bildschirmfoto 2015-12-31 um 17.30.46

 

 

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Vieles neu macht der Herbst

IMG_3438Was war das für ein Bilderbuchsommer: endlich mal wochenlang Strahlesonne! Irgendwie machte mir die Hitze manchmal zu schaffen — gefühlt zumindest. Im Nachhinein wird mir jedoch klar: mein Sommer war einfach knallevoll gepackt mit Fortbildungen und Prüfungssituationen.
Anfang Juni startete ich mit einem wunderbaren Seminar zum Voice Dialogue. Wer schon bei mir im Coaching war, hat vielleicht bereits sein Inneres Team kennengelernt. Durch den Voice Dialogue konnte ich nicht nur meine Coaching-Kenntnisse vertiefen, sondern auch einige meiner inneren Anteile besser kennen und somit auch handlen lernen. Spannend. Und empfehlenswert.

Im Juli führte mich das Thema „Es wird Zeit für neue Fotos“ endlich vor die Linse von Raimund Verspohl. Ich kenne den Portraitfotografen mit dem Blick für den Menschen im Kunden seit einigen Jahren aus der Münchner Social Media-Welt und empfand unsere Begegnungen immer als gut gewürzt mit einer Mischung aus Fachkenntnis, Neugier auf Menschen und deren Beruf, Wertschätzung und Humor. Und genau so war auch unser Shooting-Tag — einfach großartig!

Die Wochen von Mitte Juli bis Mitte August verbrachte ich nicht nur vor Hitze, sondern auch Konzeptgedanken brütend am Computer und schrieb meine Abschlussarbeit für die Qigong-Kursleiterausbildung, die ich im Herbst 2014 gestartet hatte. Mein Thema „Sicher sprechen. Kraftvoll überzeugen. Strahlkraft-Rhetorik und Qigong“ begeisterte und überzeugte zur größten Freude nicht nur mich, sondern auch die vier Prüfer der Arbeit. Somit biete ich es nun auch in meinem Trainingsportfolio an und freue mich auf zahlreiche Anmeldungen (Termine folgen).

Anfang August beschäftigte ich mich während einer nächsten Fortbildungswoche mit dem sekundären Arbeitsmarkt. Bei Best of Life Work Planning (LWP) drehte sich in Theorie und Praxis alles um Berufsorientierung und das Finden des wirklichen Wunschberufs. Insbesondere unser „Ausgangstag“ brachte auch für mich neue und wunderbare Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich nun meinen Klienten zur Verfügung stellen möchte.

In der zweiten Septemberhälfte folgte dann die Abschlussprüfung der Qigong-Ausbildung und so paukte ich wochenlang alles über Meridianverläufe und Akupressurpunkte und setzte mich mit Übungen wie der „18fachen Übung des Tajji-Qigong“ oder den „Acht Brokaten im Sitzen“ sowie der Fünf-Elemente-Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und dem „Power Response Training“ intensiv auseinander.

Am Tag nach der Prüfung zeigte sich der Herbst. Das war doch irgendwie klar.
Und auch gut, denn so konnte ich Liegengebliebenes wie die Steuererklärung und ähnlich Pflichtübungen aufarbeiten und mich endlich auch um den erneuerten Look der Homepage und des Blogs kümmern. Und neue Coaching-Klienten begrüßen — ich freue mich sehr auf die Arbeit mit ihnen!

Neu ist auch mein Angebot der PR-Supervision. Im sogenannten Reflecting Team geht’s dabei um das Finden von neuen Lösungsansätzen zu Problemstellungen aus dem PR-Alltag. Neben einer monatlich offenen Gruppe biete ich die Supervision natürlich auch inhouse oder offsite für PR-Teams in Agenturen und Unternehmen an. Interessenten können sich gerne melden.

Die erste Oktoberwoche werde ich in der Nähe von Barcelona verbringen — als Reiseblogger zum Test des ersten spanischen Bio-Hotels. Vielleicht eignen sich ja die dortigen Seminarräumlichkeiten für das ein oder Angebot aus meinem Portfolio … das wäre doch schön, um das Sommergefühl ein bisschen zu verlängern. Außerdem möchte dort weitere Ideenansätze zu Ende brüten, um sie dann auch bald hier vorstellen zu können. Da wäre er wieder, der von mir so geschätzte Perspektivwechsel.

Auf bald also — in Spanien oder im nachwiesnentspannten München!

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#rp15: Eine Konferenz mit Strahlkraft

Kürzlich tagte in Berlin die Internet-Konferenz re:publica zum neunten Mal: 7.000 Besucher waren dieses Jahr anwesend, erneut hatten die Veranstalter ein klares Mehr an Redner/-innen, Bühnen, Technik, Subthemen (neben der Media Convention gab es weitere Spezialthemen rund um Health oder Learning).

Die Vielfalt der Themen und Redner/-innen machte mir die Entscheidung für einzelne Panels und Session nicht leicht – selten erhalte ich mehr Impulse, beruflich wie persönlich. Und dennoch habe ich mich für eine kleine Auswahl entschieden, die ich hier gerne skizzieren möchte.

Eine gute Praxisorientierung für verhinderte Zeichengenies wie mich bot der Sketchnotes-Vortrag von vizthink.de.

Mit Gänsehautfaktor: Der Vortrag des 89-jährigen Soziologen Zygmunt Bauman über die Gratwanderung der Bedürfnisse, auf der sich viele Menschen heute befinden. Einerseits sei uns die Privatsphäre nach wie vor ein überaus wichtiges Gut – andererseits gierten wir mehr denn je nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. „Wir fliehen vor unserer Angst, alleine zu sein, übersehen zu werden oder gar überflüssig zu sein“, sagte Bauman. Und betonte, dass Mark Zuckerberg mit der Gründung von Facebook exakt den Nerv der Zeit getroffen habe. Denn: Wir seien eine große Gruppe einsamer Menschen, die ständig miteinander in Verbindung stünden. Bauman erinnerte auch daran, dass täglich mehr Infos „ins Netz“ geladen werden, als das Gehirn je aufzunehmen vermag. Wir leben also im Zeitalter der Über-Information und neigen dazu, uns ständig zu überfordern in unserem Wissenshunger (und sei er nur auf Klatsch und Tratsch gerichtet). Seinen Warnungen vor der unüberlegten Preisgabe zu vieler Daten darf man durchaus Glauben schenken: Baumann, der 1939 aus Warschau in die Sowjetunion geflohen war, machte nach dem Krieg zunächst Karriere beim polnischen Staatssicherheitsdienst, bevor er die wissenschaftliche Laufbahn wählte. Sein Schlussplädoyer galt der Selbstreflexion: „Be self reflective. I think we are far away from being self reflective enough.“

Faszinierend war der Bericht von Markos Lemma über ein eLearning-Projekt in Äthiopien, wo zahlreiche Kinder aufgrund der Abgeschiedenheit ihrer Dörfer keine Chance haben, eine Schule zu besuchen. Ihnen wurden mit Lern-Apps beladene Tablets zur Verfügung gestellt – ohne weitere Erklärung, wie sie anzuschalten oder gar zu bedienen seien.
Die Erfahrungen zeigen Erstaunliches: Der Rekord für das Starten des Tablets liegt bei unter vier Minuten – innerhalb einer Woche beherrschen die Kinder das Gerät bestens. Sie erlernen das Lesen (und somit in der Folge auch das Schreiben) innerhalb von drei Jahren, erhöhen dabei ihre Kreativität, später erlangen sie auch Wissen zu Themengebieten wie Chemie oder Mathematik. Und häufig stecken sie ihre Eltern mit ihrer Wissbegierigkeit an – so sinkt mit der Zeit auch die Zahl der erwachsenen Analphabeten. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Kreativität der Kinder steigt, sie machen Fotos, treten stärker mit anderen in Interaktion. Etwas beunruhigend fand ich die Aussage, dass der Tagesablauf sich ebenfalls verändert: Wäre bislang die Nachtruhe in den Hütten nach Sonnenuntergang gegen 19 Uhr eingekehrt, so würden die Familien nun abends noch gemeinsam das Tablet nutzen. Auf die Frage, warum man sich gegen Bücher und für die Technologie entschieden habe, erfuhren wir, dass die Interaktionsrate durch die Tablets deutlich höher sei und damit die Lernkurve deutlich steige.

Illiteracy

Die Verhältnismäßigkeit von Themen und ihre tatsächliche Bedeutung führte uns der ESA-Astronaut Dr. Alexander Gerst im Vortrag über seinen halbjährigen ISS-Aufenthalt eindrucksvoll vor Augen. In vielen Beispielen macht er schnell klar, was ein Perspektivwechsel bedeuten kann und warum er auch für Wissenschaftler so wichtig und zugleich beeindruckend sein kann. Das Auditorium war sich übrigens recht einig: Alexander Gerst verfügt über Leidenschaft für seinen Beruf und verkörpert Strahlkraft pur!

Ich bedanke mich für viele wertvolle Impulse und gute Gespräche bei allen, denen ich auf der #rp15 erneut oder erstmals begegnet bin und freue mich auf den Mai 2016.

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Achtsamkeit. Doch mehr als ein Modewort?

Zuerst ging es um Authentizität.
Danach hielt die Nachhaltigkeit Einzug in unseren Alltag.
Und aktuell hält sich beharrlich die Achtsamkeit an der Spitze der beliebtesten Modeworte.

Ich kenne einige Menschen, die beim Auffinden dieser oft fast penetrant genutzten Schlagworte in einer Unternehmensdarstellung oder einem Leistungsangebot mit dem klaren Äußern eines aufkommenden Würgereflexes reagieren. Und abschalten. Verständlich − und doch schade.

Dieser Tage stand die Achtsamkeit nun auch beim Regionaltreffen meines Coaching-Berufsverbandes auf der Agenda. Nach dem Impulsreferat einer Kollegin kamen wir Coaches ins Reflektieren.

Wir waren uns recht einig: Achtsamkeit ist eine Haltung.
Es geht darum, wahrzunehmen, ohne zu bewerten.
Gedanken zu erkennen und sie sodann ziehen zu lassen − ohne sich ihnen zu ergeben.
Sich dessen bewusst zu werden, was gerade in diesem Moment ist. Und nur in diesem Moment. Denn der nächste kann schon wieder eine Prise anders sein.

Achtsamkeit gehört im Sinne von Präsenz, Aufmerksamkeit und hoher Wahrnehmungsfähigkeit zum Basisrüstzeug unserer Arbeit. In den Sitzungen mit unseren Klienten wäre alles andere umprofessionell. Es ist für uns wichtig, auch Mikroveränderungen in Gestik, Mimik oder Tonfall unserer Gesprächspartner wahrzunehmen und zu thematisieren.

Anders als beispielsweise Charisma kann man Achtsamkeit trainieren. Es gibt unterschiedliche Techniken oder Methoden, die zur intensiveren Selbstwahrnehmung führen: Starke Grübler können sich darin üben, ihre Grübeleien auf eine Viertelstunde pro Tag zu beschränken, während der sie alle Gedanken in einem Buch notieren, das sie anschließend wieder beiseite legen. Jede Meditationsform fördert die Achtsamkeit. Wer es etwas westlicher bevorzugt, kann mittels MBSR achtsamkeitsbasierte Stressreduktion erfahren. Und auch der Bodyscan, also eine „Führung“ durch alle Areale des Körpers, ist eine wunderbare Methode der Kontemplation.
Achtsamkeit lässt sich auch im Alltag üben: Unsere Referentin berichtete davon, den scheinbar völlig harmlosen Vorgang der Tee-Zubereitung in der Büroküche als Achtsamkeitsübung zu pflegen. Ich wiederum finde in die innere Ruhe seit einigen Jahren vor allem auch in den Übungen des Qigong. In öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Flügen oder sogar vor dem Einschlafen gehe ich die Abläufe auch mal still und unbemerkt nur im Inneren durch.

Buddha

Neben der eigenen Erfahrung beeindrucken mich als studierte Medizinerin vor allem auch die Erkenntnisse, die die Hirnforschung in den vergangenen Jahren bezüglich der Wirkung von Meditation & Co. erzielen konnte. Schon 2008 veröffentlichte der Spiegel ein Gespräch zwischen dem Hirnforscher Wolf Singer und dem Buddhisten Mathieu Ricard (es gibt ein Buch zu den Gesprächen der beiden). Mittlerweile gibt es zahlreiche Belege auch bildgebender Verfahren dafür, dass bereits wenige Wochen regelmäßiger Meditationsübungen zu positiven, deutlich wahrnehmbaren Veränderungen in einigen Hirnarealen führen. Mehr zum Einfluss auf Stresstoleranz und Wahrnehmungserhöhung gibt es in einem Artikel von Dr. Ulrich Ott und in einem Blogpost des Harvard Business Managers zu lesen.

Neben meiner täglichen Qigong-Übungspraxis (Qi steht für Energie, Gong für tägliches Üben) versuche ich mich nun auch seit einigen Tagen in der „Kunst“ der bewussten Tee-Zubereitung. Ich fühle und rieche die Teeblätter oder Kräuter, achte beim Begießen auf die Freigabe der Aromen und versuche, auch dem fertigen Getränk mehr Beachtung zu schenken als bisher. Ein interessantes und auch schönes Experiment − ich danke der Kollegin für den Tipp.

Und wie üben Sie sich in Ihrer Achtsamkeit?

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