Karrierebooster Arroganz? Dann stampft doch gleich trotzig auf!

Vor einigen Tagen holte das Facebook-Team von PlanW ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit einem als Arroganz-Trainer auftretenden Karriere-Coach aus dem April 2014-Archiv hervor und postete ihn unkommentiert bei Facebook. Und es gibt keine kritische Stimme dazu! Nicht eine.
Um es klarzustellen: Ich schätze die Arbeit von PlanW normalerweise sehr. Denn üblicherweise vertritt PlanW Businessthemen für und von Frauen und unterstützt sie darin, ihren eigenen Platz zu finden und auszufüllen. Und zwar den, der ihnen zusteht: Als Mensch, der was drauf hat und etwas mit seinem Handeln bewirkt, wohlgemerkt. Nicht als Teil irgendeiner Quote, die gerade mal irgendwo erfüllt werden muss, weil dies eben gerade sozialpolitisch en vogue zu sein hat.

Kommt Arroganz jetzt in Mode?

Aber sagt mal, liebe Frauen, die Ihr die Bücher des besagten Karriere-Coachs kauft und lest und/oder sogar seine Seminare besucht – verhaltet Ihr Euch tatsächlich gemäß seiner Ratschläge? Seid Ihr alle mittlerweile auch schön brav arrogant, wie er es Euch geheißen hat? So arrogant, wie Ihr so manchen Vorgesetzten oder Kollegen oder auch Kundenberater schon schmerzlich erlebt habt? Wollt Ihr wirklich sein wie diejenigen, über die Ihr in der Erzählung gegenüber Freunden oder auch Kollegen vom „arroganten Arschloch“ sprecht?

Am Rande sei erwähnt, dass ein guter Coach Euch nicht vorschreibt, wie Ihr Euch zu verhalten habt (dann ist er nämlich kein Coach, sondern Trainer oder Berater) – ein Coach begleitet Euch vielmehr auf Eurem Weg zur Entdeckung Eures vollen Potentials. Und er oder sie unterstützt Euch dabei, herauszufinden, was Ihr vielleicht noch benötigt, um es für Euch wirklich spürbar und auch für Dritte voll sichtbar sowie erlebbar zu machen.

Denn: Es ist Euer Leben. Es sind Eure Ziele, die Ihr erreichen wollt und zwar auf dem Weg, den Ihr für richtig haltet. Warum also lasst Ihr Euch immer und immer wieder vorsetzen, wie Euer Weg auszusehen hat? Ihr lauft so immer wieder hinein in all die alten Glaubensätze und Bannsprüche, die Euch seit der Kindheit von Eltern, anderen Verwandten, Kindergarten- oder Schulpädagogen sowie sonstigen Kindheits- und Jugendbegleitungen eingeimpft und aufgepropft wurden. Diese Glaubenssätze und inneren Antreiber, die wir alle bis zum Alter von etwa acht Jahren inhalieren und tief in uns verankern, lauten beispielsweise „Sei tüchtig!“, „Sei stark!“, Sei gefällig“ oder „Streng Dich an!“. Und daneben gibt es auch noch die sogenannten Bannbotschaften (nach Stewart/Joines), die Aussagen wie „Sei nicht Du selbst“, „Sei nicht erfolgreich“, „Sei nicht wichtig“ oder „Sei nicht zugehörig“ beinhalten. Sie werden meist nonverbal vermittelt und bis zum Erreichen des 3. Lebensjahrs in uns verankert.

Raus aus alten Glaubenssätzen und Überzeugungen!

Und nun müssen Frauen also auch noch arrogant werden, um endlich erfolgreich sein zu können. Was für ne tolle Botschaft! Das ist geradezu so, als würdet Ihr Eure Kinder mit folgendem Satz erziehen: „Ahme nach, wen Du nicht magst“. Oder sogar „Ahme nach, wer Dich abstößt“. Würdet Ihr das wirklich so formulieren? Und noch schlimmer: würdet Ihr das am Ende auch so meinen? Das kann und möchte ich mir nicht vorstellen.

Und wieder ist es ein Mann, der uns erzählt, wie wir uns zu verhalten haben, wie wir sein sollen und was wir zu tun haben. Das bringt doch nichts. Denn es geht nicht um ihn und seine Vorstellung von der Welt (die natürlich trotz und bei aller beruflichen Expertise männlich geprägt ist). Wichtig ist doch vielmehr, herauszufinden, wer Ihr seid und was Ihr selbst wollt? Welche Ziele habt Ihr und wie wollt und könnt Ihr sie erreichen? Mit welchen eigenen inneren Fähigkeiten, Talenten, Stärken? Welche Erkenntnisse und Erfahrungen helfen Euch dabei, an Euer Ziel zu kommen? Worüber verfügt Ihr bereits und was benötigt Ihr vielleicht noch?
Raus aus den alten Glaubenssätzen! Und vor allem weg mit dieser Ansicht „Du bist so nicht richtig, wie Du bist“! Natürlich bist Du richtig, wie Du bist.

Say it loud, say it proud: “Du schaffst das nie!”

Passenderweise tauchte zeitnah zum SZ-Interview  in meiner Facebook-Timeline auch ein Video aus Amerika auf, in dem Frauen zunächst befragt wurden, wie sie mit sich selbst sprechen. Da fielen Sätze wie „Du bist echt unfähig – Du kannst ja nicht mal Deine eigene Küche sauber halten!“ oder „Du wirst es nie schaffen, abzunehmen – Du wirst immer so ekelhaft fett bleiben!“. Im zweiten Schritt zeigte die Moderatorin den Frauen ein ihnen ähnelndes, auf Lebensgröße vergrößertes Kinderbild und wollte wissen, ob sie die vorher geäußerten Sätze auch diesen Mädchen sagen würden. Umgehend war allen Befragten klar, dass sie auf diese krude Art nur mit sich selbst umgingen – und zwar meist sogar mehrfach täglich.

Zurück zur Arroganz-Empfehlung: Nun stellt Euch doch bitte mal vor den Spiegel, blickt eine Weile hinein und dann sagt Euch laut und deutlich „Sei arrogant! Sonst wird nie was aus Dir! Du schaffst es nie, eine erfolgreiche Frau zu werden, wenn Du nicht arrogant bist!“. Schafft Ihr das? Könnt Ihr Euch dabei ernstnehmen? Bekommt Ihr Respekt vor Euch selbst? Oder erkennt Ihr etwas anderes? Einfach mal ausprobieren.

Wer bist Du, wenn Du keine billige Kopie sein willst?

Es geht um die innere Haltung, nicht um äußeres Nachäffen von Verhalten, das noch dazu vom Gros der Menschen als überaus unangenehm bis hin zu verzichtbar angesehen wird. Und mit Verlaub: Wie kommt denn der Antwortvorschlag für die unterbrochene und mit doppelt geäußertem „Glaub ich nicht!“ provozierte Rednerin daher? „Doch“, solle sie sagen. Dann kurz schweigen. Um anschließend mit einem „Ist belegt“ abzubinden. Das soll arrogant sein? Am Ende sogar souverän sein? Nein, dieser Vorschlag beinhaltet ein gefühltes Aufstampfen mit dem Fuß. Wie von einem kleinen bockigen Kind. Souveränität geht anders.

Jeder Job in einer Organisation entspricht einer Rolle bzw. einer Funktion. Sie wird ausgefüllt von einer Person, also einem Menschen. Ausgefüllt bedeutet hier aber nicht, dass sie gespielt (also dargestellt) wird, wie vom Herrn Karriere-Coach vorgeschlagen. Ausgefüllt bedeutet: diese Rolle wird wahrgenommen von einer Persönlichkeit. Und wann ist jemand eine Persönlichkeit: Wenn er oder sie weiß, wer er oder sie ist, was er oder sie kann und was er oder sie will. Dann ist man souverän, präsent und sicherlich auch erfolgreich.

Inspiration vs. Imitation

Natürlich ist es keinesfalls falsch oder gar verboten, Seitenblicke auf Dritte zu wagen. Schließlich leben wir alle seit frühester Kindheit in der Eigenmessung durch den Vergleich mit anderen. „Am Du zum ich werden“ benannte Martin Buber dies Phänomen. Wenn Mädchen und Frauen sich während ihrer Entwicklungsphasen von Kindheitsheldinnen über Pop-Stars bis hin zu beruflichen Vorbildern orientieren, sind es bei Jungs und Männern eben andere Helden, die sie sich zum Vorbild nehmen. Alles gut, alles völlig okay.
Bei beiden Geschlechtern wird die Verehrung allerdings dann peinlich und unglaubwürdig, wenn versucht wird, besagte Vorbilder zu kopieren. Und dabei ist es völlig egal, ob dies Handlungen oder Präsentationsfähigkeiten, die Gestik, den Kleidungs- oder den rhetorischen Stil betrifft – jeder riecht drei Kilometer gegen den Wind, dass man nicht ist, wer man zu sein vorgibt.

Wagt dennoch ruhig mal den Seitenblick auf die beeindruckende Kollegen, Vorgesetzte, Unternehmerinnen oder Politikerinnen – und findet dann für Euch heraus, was genau es ist, das Euch an ihnen so beeindruckt.
Bittet dann aber auch vertraute Menschen in Eurem privaten oder beruflichen Umfeld, Euch wertschätzendes Feedback zu geben: “Wie nimmst Du mich wahr? Welche Stärken erkennst Du bei mir?“ Ja, das kostet Überwindung und manchmal sogar Mut, diese Fragen zu stellen. Und doch lohnt es sich: Wann immer ich meinen Coaching-Klienten diese Feedback-Übung als „Hausaufgabe“ anbiete, berichten sie bei der nächsten Sitzung davon, welch positive Überraschungen und Erkenntnisse sie daraus ziehen konnten. Nicht selten fällt ein Satz wie „Mir war gar nicht klar, dass ich so wahrgenommen werde!“ Umso schöner ist’s dann, wenn auch noch just die Eigenschaften genannt werden, die man am Vorbild schätzt, an sich selbst aber bislang nicht sehen konnte. Es macht einen fulminanten Unterschied aus, ob Ihr Eure eigene Persönlichkeit im Vergleich mit und der Reflektion an diesen Vorbildern schärft oder ob Ihr sie einfach zu imitieren zu versucht.

Lasst Euch bitte nicht länger einreden, Ihr müsstet so oder so sein, um erfolgreich zu werden.
Wir sind doch bitte kein Abklatsch oder gar eine Karikatur von jemandem – wir alle sind doch Originale!

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Die Vielfalt der Kastanien-Gedanken

Kastanien sind mehr als ein Symbol für den Herbst

Sie sind mir ein Stück Vertrautheit und Geborgenheit: Seit der Kindheit ist’s eine lieb gewonnene Tradition, die Erstgefundene der Saison in die Mantel- oder Hosentasche zu stecken und mit ihr den Winter über immer wieder zu spielen.
Ein ausgereifter Einzelgänger Die erste Voll-Kastanie des Jahres. (© casowi)
Ein ausgereifter Einzelgänger Die erste Voll-Kastanie 2016. (© casowi)
Allerdings: An den fies stacheligen Schalen dürfte schon so mancher Finger schmerzhaft gepikst worden sein. Das kennen Sie doch auch, oder? Haben wir uns dann jedoch vorbei an den kleinen Dornen zur Naht durchgepult und sie geknackt, leuchtet meist schon das typisch frische Kastanienbraun durch das je nach Reifegrad mehr oder minder üppige weiße Fruchtfleisch. Nach dem Rauspulen können wir endlich dieses Gefühl genießen, das eben nur frische Kastanien unseren Fingern vermitteln können: Perfekte Reife. Wir können sie spüren auf der kastanienbraunen Oberfläche und auf der leichten Schmierschicht des weißen Parts, unser Auge nimmt diesen ganz gewissen Glanz wahr, den uns die Hersteller von Shampoos und Spülungen immer ins Haar zu zaubern versuchen.
Schon nach wenigen Stunden verlieren die Früchte diese Frische und Farbe, den Glanz und auch die Form. Aber irgendwie bleiben sie doch auch im trockenen, schrumpeligen Zustand für den Tastsinn interessant – das klassische Manteltaschenphänomen setzt ein.
Man nehme Streichhölzer, Kastanien und lasse der Inspiration freien Lauf: Schon ist ein tanzendes Kastanienmännchen fertig. (© ArNeu)
Man nehme Streichhölzer, Kastanien und lasse der Inspiration freien Lauf: Schon ist ein Kastanienmännchen fertig. (© ArNeu)

Kastanien bieten auch Anlass für Momente der Reflexion

Betrachten Sie die Früchte des Kastanienbaums vor dem inneren Auge, so können Sie sich auf einen spannenden Weg begeben, der uns eine Menge Erkenntnisse eröffnen kann. Stellen Sie sich doch ruhig mal Fragen wie:
Was (oder auch wen) in meinem Leben erachte ich so unangenehm wie die stachelige Hülle?
Ist die Chance auf eine handschmeichelnde Kastanie (manchmal sogar zwei oder drei,  manchmal aber auch gar keine) es mir wert, mir die Fingerkuppen verpiksen zu lassen? Bin ich überhaupt bereit, hinter die Schale zu blicken, auch wenn’s weh tun oder eben nichts dahinter sein könnte? Wehalb sind mir Kastanien bislang eigentlich nie wirklich aufgefallen? Weshalb kam mir noch nicht in den Sinn, sie näher zu betrachten?
Was könnte mich davon abhalten, eine Schale zu öffnen – was meine Wissbegier befeuern?


Was würde ich machen, falls ich fruchtfündig werden würde?

Bei einer Kastanie hätte ich ja viele Möglichkeiten: Nutze ich sie als Handschmeichler, lege ich sie auf den Schreibtisch als Briefbeschwerer, werfe ich sie weg, pflanze ich sie ein und pflege die entstehende Pflanze? Verschenke ich diese dann, wenn sie blüht und Früchte trägt – oder verschenke ich vielleicht einfach im nächsten Herbst die Früchte und lasse so andere an der Freude teilhaben? Züchte ich Kastanien und eröffne in 25 Jahren einen Kastanienpark? 
Oder bastele ich – wie der Freund, der mir auch dieses Foto zur Verfügung gestellt hat (danke nochmal!) – Kastanienmännchen? Mache ich das dann alleine oder mit Kindern, Freunden, Kollegen, sogar Kunden? Sähen meine oder unsere Kastanienmännchen alle gleich aus oder ganz unterschiedlich? Habe ich eine Idee für eine Geschichte – verfilme ich gar Star Wars neu mit Kastanienmännchen? Falls ja: Welche Rolle würde ich dabei einnehmen: Drehbuchadapteur, Kulissenbauer, Kastanienmännchendesigner, Cutter, Komponist, Regisseur?
Oder stelle ich doch eher Arzneimittel aus Kastanien her und erlöse die Menschheit damit von venösen Problemen? Ich könnte die Kastanien auch aufbewahren und sie an Tagen mit geschlosseneren Schneedecke ans Wild verfüttern. Sie dem Nachbarskind schenken.
Sie ans Grab meines Vaters bringen – in Erinnerung ans gemeinsame Kastaniensammeln und Basteln in Kindertagen.
Meine Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Und Ihre Liste – wie sieht die aus? Sie wächst und gedeiht vermutlich ebenso, wenn Sie erst mal beginnen, sich auf die Entwicklungsmöglichkeiten Ihrer Kastanie-Gedanken einzulassen. Das Schönste daran: Ihre Liste wird ganz individuell sein, da sie Ihre Leidenschaften beinhaltet, Ihre Fähigkeiten mit einbringt, Ihre Talente zeigt und Ihren Erfahrungsschatz nutzt.
Sie werden rasch merken, welche Ihrer Ideen die meiste Energie erhalten, welche schnell verworfen sind, welche abwandelt weiter verfolgt werden könnten. Probieren Sie es einfach aus. 
Ich würde sicherlich mindestens eine Kastanie pflanzen (sicherheitshalber vemutlich sogar mehrere Früchte in die Erde stecken). Damit eines Tages ein weiteres prächtiges Exemplar dieses für mich so heimatlichen Baumes Auge und Herz erfreuen kann.
Wahre Pracht und für Bayern ein großes Stück Lebensqualität: Der sommerliche. Kastanienbaum. (© casowi)
Wahre Pracht und für Bayern ein großes Stück Lebensqualität: Der sommerliche. Kastanienbaum. (© casowi)
 
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Neues wagen – Neues gewinnen.

Vor einer Woche fand erstmals die Direttissima statt. Braucht die Welt noch eine digitale Konferenz? Und dann auch noch unmittelbar vor der re:publica? Ich sage Doppel-Ja!
Schon im Vorfeld klang das Programm verlockend – manchmal waren es die Speaker, die ich gerne mal (wieder) erleben wollte, dann wieder die Themen. Vom Erreichen der Stakeholder via digitaler Empathie von Klaus Eck über die Zusammenhänge von Extremklettern und Unternehmensführung mit Stefan Glowacz bis hin zu Neuerfinden eines Business-Kernteils nach einer Plagiatmisere von @manomama-Gründerin Sina Trinkwalder war da ordentlich was geboten!
Klaus Eck Digital

Für mich als Kulturliebhaberin ging es perfekt los mit einem Blick der Kulturkonsorten auf die digitalen Präsenzen von Museen wie dem Frankfurter Städel, dem British Museum in London oder dem Museu Nacional d’art de Catalunya in Barcelona.
Dass das Metropolitan Museum natürlich ganz vorne dabei sein würde, war irgendwie klar. Was ich noch nicht wusste: One MET. Many Worlds. bietet die Möglichkeit, Exponate nach Schlagworten wie “schimmernd, gemustert, hell, eckig” usw. zu betrachten. Eine tolle Idee für Blödwettertage!

Bildschirmfoto 2016-04-29 um 12.24.04Der famos verwirrende @NeinQuarterly (für mich der Woody Allen des Neulands) schieterte uns seine Thesen zum Scheitern vor, darunter “Mach etwas Vernünftiges. Dann schmeiß es weg” und “Learn German. Then die!” sowie die Erwägungen zur Verlorenheit der Gewinner und dem Gewinn des Verlierers.

Ich sagte doch, er verwirrt so herrlich (Coaches mögen das – eine Prise Verstörung gehört mit in unsere Werkzeugkiste).

@NeinQuarterlyDico16Um Verstörung ging es auch bei Dirk von Gehlen, der seine Liebe zum Shruggie \_(ツ)_/¯ verkündete und ein Plädoyer für gepflegte Ratlosigkeit hielt, der wir mit Fröhlichkeit und Gelassenheit begegnen mögen. Mit “Was wäre, wenn das Gegenteil stimmt?” stellte er eine wunderbar ins Reflektieren bringende (Coaching)Frage. Und sein Ratschlag, wir mögen doch alle ein bisschen öfter erst ausatmen, bevor wir bei Twitter, Mails, Facebook und Co. auf so manche Nachricht reagieren, wärmt mein Qigong-Herz natürlich sehr!

dvg finalchart dico16Hörbar still wurde es, als Anna Dushime von ihrer Begegnung mit der syrischen Familie erzählte, die sie im Berliner Lageso kennenlernte und spontan in ihrer WG aufnahm. Über die digitalen Kanäle organisierte sie im Handumdrehen Bekleidung, Übersetzungshilfen und vieles mehr. Mir tut es immer wieder gut, neben der Eilmeldungs-Flut, üblem Gestänker, viel Business-Gepose und den von mir auch sehr geschätzten “Gehirnfürzen” auch immer wieder enorme Hilfsbereitschaft “im Netz” zu erleben. Hut ab vor allen, die sich für andere engagieren!

Beruflich fand ich die Einblicke des Diskussionspanels zum Thema “Zeitgemässes Arbeiten” große Klasse : @tandemploy berichteten eindrucksvoll von den Erfahrungen der Teams, die sich über ihre Jobsharing-Platform gefunden haben. Ein Klick auf die Website lohnt sich, um mit so manchem Mythos rund um Teilzeitarbeit aufzuräumen. Und ja: auch das Thema “wir brauchen eine neue Führungskultur” kam bei der Diskussion wieder auf. Hin zu Vertrauen in punkto Zeit, Ort und vor allem Mensch und natürlich auch zu mehr Mut, neue Führungswege zu beschreiten. Dazu passten auch die Punkte von @isarmatrose von Oberholz zum Arbeiten in Coworking Spaces: Aus Vertrauen erwächst Verantwortungsbewusstsein!

Tobias Schwarz Vertrauen

Es gab noch viele weitere Impulse – zum Emotional Branding rund um die normalsten Pikanterien des Lebens mit Theresa Lachners Lvstprinzip-Blog (kein Vertipper: Lvst statt Lust!) oder zu allen Fürs und keinem Wider rund um Snapchat mit Richard Gutjahr.
Und auch, wenn ich am Abend wirklich platt war nach all den Impulsen und Gesprächen mit Ex-Kolleg/-innen und Freunden aus der Verlags- und Kommunikationsbranche: ich fühlte mich erfrischt!
Auch deshalb, weil ich es schlichtweg genossen habe, mich auf einer Konferenz nicht zwischen acht parallel verlaufenden Vorträgen, Sessions und Panels mit super kreativen Wow-Titeln entscheiden zu müssen, sondern es einfach mal nur einen Saal gab (wunderbar übrigens: das 1950er-Jahre-Ambiente der Kongresshalle der Alten Messe München).
Es scheint, als habe die #dico16 nicht nur mich begeistert – das bewiesen auch die Tweets, die den Hashtag immerhin ganze 14 Stunden in den Trending Topics hielten.
Bildschirmfoto 2016-04-29 um 14.23.10 Bildschirmfoto 2016-04-29 um 14.24.46

Ich bedanke mich für das Konferenzticket bei der Losfee von Brandwatch, die meinen Namen aus dem Gewinnspieltopf zog – die Tagesumplanung hat sich sehr gelohnt  und mein wehmütiges #rp16-Herz (ich reise Anfang Mai erstmals seit sechs Jahren nicht nach Berlin, sondern in die entgegengesetzte Richtung nach Florenz …) lächelt nun wieder ein bisschen mehr.
Ein herzliches Dankeschön vor allem aber ans Direttissima-Gründer- und Orga-Team: Bravo für den Mut zum Neuen, danke an Eure Partner und Sponsoren für ihr Vertrauen und Chapeau für das, was Ihr da wirklich überzeugend auf die Beine gestellt habt!
Auf zur #dico17!

 

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Das Dilemma und seine Lösungsoptionen

Manchmal macht’s ja einfach “Zuppeldizupp” im Herzen und es ist klitzeklar, was jetzt dran, wichtig und richtig ist. Gestern war einer dieser Manchmal-Momente bei mir.
Und im Nachhinein sage ich mir: Mein Basis-Dilemma wäre jetzt etwas für das wunderbare und hochgeschätzte Tetralemma als Coachingtool gewesen. Für meine Klienten wende ich es immer wieder gerne und vor allem erfolgreich an. Nur für mich selbst sitze ich ja auch gerne mal auf dem Schlauch … zumindest eine Weile.

Sie kennen das sicherlich auch: Da dreht man sich tage-, wochen- oder in meinem Fall sogar monatelang im Kreis des Gedankenabwägungskarussells, ob man denn nun etwas machen soll – oder eben doch nicht. Ein echtes Dilemma.

Bei mir waren es nun gute drei Monate, in denen ich immer wieder abwog, ob ich denn nun auch dieses Jahr im Mai nach Berlin zur re:publica reisen sollwillkann oder vielleicht doch oder eben mal nicht. Dafür spricht: Ich liebe dieses internationale Konferenz-Format mit all seinen unterschiedlichen Referent/-innen, Vorträgen und Inspirationen und auch Fun-Momenten. Und vor allem genieße ich auch das Wiedersehen mit Menschen, die mir viel bedeuten und die ich in manchem Fall auch wirklich nur einmal im Jahr eben dort treffe. Und dann sagt der Verstand wieder: „Nein, da hast Du doch schon zwei fixe Termine (Abo-Konzert und Regionalverbandstreffen) und außerdem kennst Du es doch wirklich, weil Du in den vergangenen fünf Jahren immer dabei warst. Und das kostet doch auch alles ne Stange Geld mit der Anreise und dem Ticket und der Unterkunft und und und. Und wer weiß, ob das Wetter wieder so mitspielt und das wäre doch blöd, wenn dann der Hof aufgrund von Regen und sollwill ich überhaupt noch zu solchen Riesenveranstaltungen mit mehreren tausend Menschen gehen und und und…“. Ich empfinde diese Vorentschiedungsdilemmata als überaus anstrengend.

Wie gesagt: Einem Klienten hätte ich – würde er so eine Entscheidungsschwierigkeits-sitation schildern – längst Tetralemma als Tool zur Lösungsfindung angeboten. Im Groben funktioniert das so: Wir schreiben Abwägung A (in meinem Fall „wieder teilnehmen“) auf ein DIN A-Blatt und Abwägung B ebenso („diesmal fernbleiben“) und legen beide Blätter nebeneinander auf den Boden. Der Klient steht zunächst in einem ihm angenehmen Abstand vor beiden Blättern, beschreibt die Vor- und Nachteile von A und B und schildert, wie es ihm/ihr geht. Vermutlich wird schon da rasch klar, von welchem der beiden Blätter er oder sie sich zunächst stärker angezogen fühlt. Auf dieses stellt er/sie sich dann, schließt die Augen und spürt den Gefühlen und körperlichen Reaktionen nach. Dann geht’s zurück in die Ausgangsposition.

Und auf Blatt Nummer zwei. Und wieder: spüren und beschreiben, was jetzt passiert.Und wieder zurück und beide Optionen betrachten. Manchmal ist an diesem Punkt schon glasklar, welche von beiden die stimmige ist. Oder ob beide – oder keine von von beiden. Kurz zur Metaebene: Bisher sind wir bei der Wahl zwischen A oder B – oder für AB (was in meinem Fall bedeuten könnte: „Ich besuche den Kongress nur einen Tag und verbinde noch etwas Zeit in Berlin mit Akquise- oder Kundengesprächen“).

Als Coach bitte ich nun meinen Klienten, auf eine vierte mögliche Lösung zu schauen. Diese heißt immer: „Weder A noch B“. Denn wenn es nun keines von beiden ist und auch nicht AB, dann gibt es ja vielleicht ein C? Wie könnte es ausschauen? Und wie geht’s dem Klienten oder der Klientin mit diesem C?

Wer diese Übung schon erlebt hat, weiß, wie schnell man zu einer validen Lösung kommen kann. Denn mag es noch so paradox erscheinen: die Erhöhung der Anzahl an Lösungsmöglichkeiten verringert den Entscheidungsdruck und eröffnet so die Möglichkeit, aus einer anderen Perspektive auf das eigentliche Problem zu schauen. Und natürlich untermauert ein guter und erfahrener Coach noch mit weiteren Finessen seiner Handwerkskunst. Ursprünglich kommt das Tetralemma übrigens aus der indischen Logik des 2. Jahrhunderts und diente der Anaylse von Rechtsstreitigkeiten.

In meinem Fall schneite das C in Form einer SMS eines Freundes herein: „So, habe eben Urlaub im Mai gebucht: 2. bis 7. Mai nach Florenz.“ Und was meinen Sie, was ich gestern spätabends noch gemacht habe?
Genau: Florenz gebucht. Anfang Mai. Mit besagtem Freund. Und nun freue ich mich darauf, den seit zehn Jahren gehegten Wiedersehenswunsch mit dieser wunderschönen Stadt und ihren Kunstwerken von Michelangelo, Donatello, Cimabue und Co. endlich zu realisieren. Beim Erstbesuch 1979 entstand übrigens dieses Mehrfachbelichtungsfotokonglomerat …Florenz_1979

Und wie sieht Ihr Dilemma aus? Und wie Ihr C?
Wollen Sie noch ein paar Monate auf Ihren Manchmal-“Zuppeldizupp”-Moment warten? Oder vielleicht doch mal Tetralemma ausprobieren? Ich unterstütze Sie gerne dabei.

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Vom Nicht und Nie

Einen Tag lang hing eine Tafel nebst vieler Kreiden mitten in New York. “Schreib auf, was Du am meisten bereust” lautete die Aufforderung. Und nach anfänglicher Schüchternheit begannen Passanten, ihre Themen zu notieren. Die Liste des Reue umfasste vieles wie nicht “ich liebe Dich” gesagt zu haben, keine Zeit mit einem mittlerweile verstorbenen Elternteil verbracht zu haben, sich nicht für das Studium des Herzens beworben oder eingeschrieben zu haben, den MBA-Titel nicht erworben zu haben oder andere enttäuscht zu haben. Mit dabei auch Einträge wie nie den eigenen Träumen gefolgt zu sein, kein guter Freund gewesen zu sein oder sich in eine relevante Angelegenheit oder ein wichtiges Thema nicht eingemischt zu haben. Alle Beiträge wurden geeint durch zwei scheinbar kleine Worte: “not” und “never”. Nicht und nie.

Im zweiten Teil des Experiments erhielten die Tafelschreiber einen Schwamm. Und siehe da: Waren die beiden kleinen Worte “not” und “never” ausgelöscht, empfanden und schilderten ihre gerade noch traurigen Verfasser Erleichterung. “Eine nicht beschriebene Tafel bedeutet offene Möglichkeiten”, sagt eine junge Frau. Und ja: Jeder neue Tag birgt die Chance in sich, etwas neues zu tun oder einfach nur, etwas einmal anders zu machen. Etwas, von dem wir eines Tages sicherlich nicht sagen wollen “Ich bereue es, das nicht getan zu haben.”

Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen: Es ist eine gute Übung, sich ab und an Gedanken zu den tatsächlichen sowie den möglichen Reuemomenten des eigenes Lebens hin zu spüren. Und dann zu schauen, ob Sie den Schwamm ansetzen wollen auf der Tafel Ihres Lebens … und wo genau.

Die Aktion wurde von der von Schauspieler Ashton Kutcher gegründeteten Organisation “A Plus” durchgeführt, die es sich zum Ziel gemacht hat, via viralem Storytelling positive  Impulse in die Welt zu bringen.

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