Die Schlange Kaa und Moby Dick.

Ein Blog will wachsen. Befüllt werden. Ein Blog lebt, ist nicht so statisch wie eine klassische Website. Genau das entspricht mir und meinem Naturell und deshalb hatte ich mich auch für ein Blog als “Zuhause” meiner Strahlkraft-Informationen entschieden.
Und doch fühlte ich mich vor wenigen Tagen, als hätte ich mich in meine eigene Zwickmühle bugsiert. Ich muss und möchte doch meinen Lesern Infos anbieten, sagte die Stimme der Tüchtigen in mir. Und sie fuhr fort: “Du warst  20 Jahre lang erfolgreich in der PR-Branche – Du weißt doch, wie man heute kommuniziert. Also mach! Leg los.”

Eine zweite Stimme meldete sich parallel: “Ich bin aber kein Gorilla, der aus dem Urwald tritt, sich mitten auf die Bühne stellt und die Brust trommelt, um Aufmerksamkeit zu erregen! Ich bin das nicht – ich kann das nicht – ich will das nicht!.” Und daneben gab’s noch die beruhigende Stimme in mir: “Hab Vertrauen – das wird schon alles werden. Gib Dir Zeit, nur die Ruhe, hab Vertrauen.”
Eine Wohltat!
Einerseits.
Und andererseits fühlte ich, wie ich gerade diesen inneren Anteil in mir zunehmend wahrnahm wie die Schlange Kaa im Dschungelbuch. “Hör auf mich und glaube mir – Augen zu  – vertraue mir – schlafe sanft, süß und fein…” Einlullend. Einschläfernd. Lähmend. Und vor allem: nicht mehr selbstbestimmt.

Die Schreibblockade und die Zerrissenheit zwischen diesen inneren Anteilen beschäftigte mich einige Tage lang. Nicht dauerhaft, aber immer wieder. Und jedes Mal hinterließ sie mehrere Fragezeichen, die sich einfach nicht wandeln lassen wollten in ein fröhliches Ausrufezeichen hinter einem “Ja genau: so mach ich es – so passt es für mich!” Dann hatte ich einen Termin bei meinem Coach. Ja, auch Coaches lassen sich coachen. Zum Selbstverständnis gehört ohnehin, eine Supervisionsgruppe zu besuchen und zu nutzen. Das war auch schon Teil der Ausbildung bei artop. Außerdem mussten wir vor dem Abschluss nachweisen, dass wir uns selbst einem Coaching unterzogen hatten. Was zunächst Pflicht schien, wurde mir zu  wertvollen Begleitung auf meinem Weg von der angestellten Pressesprecherin zum selbstständigen Coach. Denn schließlich steht jeder Mensch mal in seinem eigenen Wald recht dicht vor seinen eigenen Bäumen und sieht die Lichtung nicht mehr, die er eigentlich besuchen wollte.

Eigenbaum

Und so setzte ich mich unter der umsichtigen Begleitung meines Coachs mit meinen “Inneren Team” auseinander. Und siehe da: neben den oben erwähnten Stimmen zeigte sich eine weitere, zunächst recht kleine. Sie wuchs, als ich ihr endlich Aufmerksamkeit schenkte, und war schließlich so groß, dass sie zu einer Art Moby Dick mutierte. Die Harpunenspitzen der anderen, ehemals so lauten Stimmen, die nun wie kleine Fischerboote den Wal umkreisten, konnte ihm nichts mehr anhaben – ihre Seile waren zu kurz und sie trauten sich nicht, näher an den in sich ruhenden Koloss heran zu kommen.

Was war passiert? Ich hatte endlich den Anteil in mir wahrgenommen, der einfach nur ein wenig Ruhe benötigte und jetzt hörbar eingefordert hatte. Kleine Ruhemomente in einem sehr bewegten und bewegendem Jahr mit dem Verlust eines geliebten Menschen, mit dem endgültigen Schritt in meine neues Aufgabenfeld und mit mehreren parallel laufenden Umzügen.

Nichts Beunruhigendes. Nur der Teil meines inneren Teams, der ein wenig Ruhe benötigt. Wie wohltuend, ihm endlich Raum zu geben. Und damit die nötige Ruhe in mir einkehren zu lassen. Ich danke meinem Coach, dass sie mich so gut auf dem Weg von meinem Problem zu meiner Lösung begleitet hat. Nur das ist nämlich Aufgabe unseres Berufs: Wegbegleiter zu sein. Impulse aufzunehmen und ihnen nachzugehen. So zu ermöglichen, dass wir unsere eigenen inneren Lösung auf die Spur kommen.
… und schon war mir klar, über welches Thema ich schreiben wollte.

Und welche inneren Team-Mitglieder murmeln, wispern, sprechen oder schreien gar in Ihnen? Nehmen Sie sich die Zeit, ihnen zuzuhören. Aus eigener Erfahrung: es lohnt sich!

 

 

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Die Schattierungen der Exzellenz

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Ich mag das große Rund des BCC-Hauptsaals. Er lässt seine Gäste und Referenten atmen, die Technik funktioniert hervorragend und er ist mittels gezielter Lichteffekte wunderbar wandelbar. Außerdem verbinde ich mit dem Saal schöne Überraschungsmomente – insbesondere bei den Keynote-Speakern der vergangenen fünf Kommunikationskongresse. Der Bundesverband der Pressesprecher schafft es immer wieder, hochkarätige und durchaus polarisierende Speaker einzuladen – und manch ein vorher eher ungeliebter Zeitgenosse hatte mich bereits durchaus positiv überrascht.

Diesmal wird mir wohl Prof. Dr. Hans-Dieter Herrmann in herausragender Erinnerung bleiben. Der Sportpsychologe der Bundeself hielt einen mitreißenden Vortrag zum Thema “Exzellenz beginnt im Kopf”. Es gehe um die Bereitschaft, sich (oder etwas) zu verändern, verkündete er. Und stellte schöne Coaching-Fragen wie “Was tun Sie, damit Ihr Kopf mitspielt?”

Lag es am Thema oder am Jubiläum? Jedenfalls war die Professorendichte diesmal gefühlt höher als in den Vorjahren. Und dies insbesondere zum Kongressmotto Exzellenz. Meine Erwartungshaltung an den Vortrag “Sackgassen der Exzellenz – Panik, Angst und Risiko” von Prof. Dr. Walter Krämer (TU Dortmund) musste ich leider korrigieren: Es ging nicht um die Ängste und Befürchtungen von Kommunikatoren angesichts drohender oder existenter Krisen ihres Unternehmens oder das Unbehagen, das ein unberechenbarer CEO seinem Pressesprecher vermitteln kann. Vielmehr hörten wir ein überaus unterhaltsames Potpourri aus Irr-Schrecken, die über die Medien den Blutdruck der Rezipienten steigen lassen wie Hundebesitzer, deren Herzinfarktrisiko geringer sein könnte als das stillender Mütter und ähnliche Köstlichkeiten merkwürdiger Studien.
“Auf dem Weg zur Exzellenz – Die Optimierung des Menschen und ihre Grenzen” von Prof. Dr. Armin Grunwald (ITAS) entführte uns meines Erachtens ein wenig zu intensiv  in die Welt der (Nano-)Technologie. Waren es doch Sätze  wie “Unterhalb der Exzellenz hat man heute als Mensch keine Chance mehr”, die ich gerne vertieft und beleuchtet hätte. Wird Exzellenz heute gleich gesetzt mit Perfektion? Im Sport, im Business – ja, sogar im Privatleben? Grunwald empfahl in seiner Bücherliste “The Case against Perfection” von Michael Sandel – es könnte recht interessant sein.

Aus meiner PR-Historie heraus habe ich durchaus Verständnis dafür, dass Best Case-Referenten im Kreise der Kolleg/-innen auch bestmöglich dastehen möchten und deshalb auch beim wiederholten Aufguss eines altbekannten Teebeutels mittels hervorragender KPI-Darbietung zu brillieren versuchen. Dennoch war das Fallbeispiel, das von seinem Verfasser mit dem Tweet “Wie ein Projekt richtig Prügel bekommt und wie man da wieder rauskommt” angekündigt wurde, herrlich erfrischend und um vieles lehrreicher. Es tut einfach gut, wenn ein Unternehmen mal den Mut findet, wie Alexis Sorbas den Zusammenbruch des mühsam erschaffenen Lorensystems mit dem Ausruf “Ich habe noch nie etwas so wunderbar zusammenkrachen gesehen!” zu kommentieren. Fehler macht jeder – es geht darum, was man aus ihnen lernt.

Exzellenz hat sich auf dem Kongress in Berlin also in vielen Schattierungen gezeigt.
Und auch in mir Impulse gesetzt, denen ich sicherlich in den kommenden Wochen weiter nachgehen werde. Sie hat für mich in der Tat viel mit der Strahlkraft eines Menschen zu tun. Oder mit der eines Kunstwerks… oder eines Gebäudes oder Wahrzeichens.

Danke Berlin – das waren wieder viele Anregungen, die Du mir mitgeben hast!

AlexandI

 

 

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